Auch als Panther …

Auch als Panther …

I.
Es war als ob ich in dir schlief – tief
Und wo du warst schritt ich mit leichtem Gang
wie ein Panther aufmerksam erregt bei Nacht
getarnt durch deinen wilden Garten.

II.
Der zarte Schwung vollkommen weicher Lippen
In meinem Schweigen dein Gesang
In deinen Blicken liegt unendlich Tiefe
Liege ich in fremder Heimat warm.

III.
Vom Pappelast im Mittagsschatten
Deine zarten Finger auf den Seiten eines Buches
duftend lag im Haar eine Rose – sie schlief
und in mir reiften die Träume eines Wunsches,
denn auch ein Panther will ein Mädchen,
das liebt!

In der Nacht

Kein Sonnenuntergang gleicht dem Anderen
im vorherbestimmten Abschied der Tage.
Unsere Küsse verschwinden im Orangenen
Es wird dunkle Nacht und ich frage:

»Wenn ich leben könnte ohne Morgen,
ohne Trennung der lieblichen Leiber,
das Kommende liegend im Bleibenden;
Was würde dann aus meinem Schreiben?

Muss sich erst das Leid hervortun aus Beiden,
wenn sie einander körperlich vereinigen,
wissend der kommenden Trennung?

Hat man mir das Leben gegeben
sich einen Spaß zumachen aus Leid?
Zu prüfen was keiner Prüfung bedarf?«

Es sind die Nächte die mich beraten
Wenn die Leiber der Anderen schlummern
Ihre Köpfe bunte Träume träumen
Träume ich auch – mit offenen Augen.

F.M.

Lichterstadt Paris, …

Lichterstadt Paris, …

Durch Straßen deines alten Städtchens
Spazieren junge Dichterstiefel
In Händen eines weichen Mädchens
Der regnerischen Lichterstadt Paris

Lichterstadt Paris,
wie haben sich die Menschen
in deinen Galerien, Cafés und Theatern
zum glücklichen Lachen zusammengefunden.
So schön klingen deine Wörter
ihre Bedeutungen sind mir unverständlich
und somit ihrer selbst doch weit unendlich
wie das ewige Lieben eines Mädchens.

Von weit empor regnen Küsse
bedecken die Brücken der Seine
auf weit unüberschaubaren Plätze
Da will ich hin. Da will ich sein.

Nebeneinander spazieren, da sind die zwei
Leiber bei weitem zu weit voneinander getrennt
Unachtsamkeit überhöht die schlendernden Schritte
Stolz will man der Größte und Schönste sein
ist unbesiegbar und doch zart wie Wein.

Und ist man ihrer würdig, ist man
dem Himmel näher als die Götter, die
von Vergänglichkeit nichts spüren, die
nicht die Berührungen verführen, die
man sein Eigen nennen darf, denn man ist;
der Größte und Schönste von Allen.

Die Welt gehört den Optimisten

Die Welt gehört den Optimisten
die geplant den Tag beginnen
die ihren Kaffe süßlich trinken
bevor die Wärme ihm entweicht.

Die Welt gehört den Menschen
die ihre Blicke nach vorne richten
die pünktlich erwachen und geplant
das Spontane hinrichten – erhängen
wie den Mörder des Lebendigen.

Ja, die Welt gehört den Optimisten
die nicht fragen sondern antworten
nicht zögern sondern machen
nicht träumen sondern ernst
in der Erfüllung ihrer Pflichten
die Blicke auf ihre Bilanzen richten.

Selbstkritik eines Optimisten?
Zuversichtliche Narren richten
die meisten Schäden an. -
Verdammt nochmal …

Dein Körper

I.
Nun will ich ein Autor sein
Ein Schaffender an deinem Leib
Will die Füße, Hände, Brüste schmecken
Will dich essen – vermessen in dir lesen
Auf dir schreiben, lieben – leben.

Nun spiel mir noch ein Stück
Am Klavier spielst du dich schön
Im Bette liegen Höhen
deiner Schenkel, Brüste, Wangen
feucht bedeckt und warm behangen.

II.
Eine gut durchdachte
avantgarde Komposition,
die du deiner sicher
würdig mit dir selbst bespielst
anmutend féminin
nach dem das ganze Orchester
bis zur Atemnote bläst, zupft und streicht
sich selbst nicht zur Genüge reicht
und bis zur letzten Note
die Instrumente virtuos bespielt.
Das bist du – dein Körper, dein Spiel.

Fritz Messer 02 01 2012
für A.D.

Unmögliche Zeichnungen

Unmögliche Zeichnungen
für A.D.

Unmögliche Zeichnungen liegen vor mir
unglaublich gezeichnet bin ich von dir
leg dich nieder, leg dich ins Bier
das mich am Abend trunken macht
das ist zu melancholisch
und verhöhne mich logisch, wenn du
über das Lieben sprichst,
wie von einem Spiel.

Ach, hätte ich doch nur die Gewissheit der Jahre
hätte ich sie doch nur, wie alle sie zu haben scheinen
mit ihren großen Zielen in fernen Ländern
Doch ich habe nicht der Liebe wegen
die Ungewissheit gegen Freveltaten eingetauscht
Fragen was ich werden will, einmal besitzen möchte
Die Lage eines Wartenden auf deiner schönen Haut.

Es ist wahr du schreibst mir Briefe
flüchten uns förmlich
doch das ist nichts für Dauer
dauernd lauernde Köpfe, Lippen, Augen
voller Ideen meiner dich zu erreichen
sind nicht für Dauer
sind nicht dafür gemacht.

So verlasse mich aus den Tagen
in die neue Zeit hinein
Hau ab und komm nie wieder
bis mir all die Damen
um den Kopf und Kragen fallen.

f.m.
15.11.11

Blattteppich

Der letzte Blattteppich
für H. M.

Auf rot gefärbten Blättern
empor ins immer neue Blau
durch die Zweige sehe ich Äste
und hinter Ästen Zweige
von Zweigen die von Ästen fallen
auf rot gefärbten Blättern
der Rücken friert mir nass

feuchte modrige Luft
in meinen Nasenflügeln
wie aus Kinderzeiten
als der Junge Junge war
das Mädchen Mädchen
die Liebelei ein Kindermärchen

nun lässt es sich ertragen
in unendlich langer Liebesstille
das ordentlich geharkte Laub
ein Baum trägt es noch
Mutter schüttelt es von Zweigen
und hinter Blättern brechen Äste
deren Zweige Laub nicht tragen

Auf rot gefärbten Blättern
empor ins immer neue Blau
des Nachbars Radio schallt
er hackt sein Eichenholz
harkt sein Laub das modert
kein roter letzter Blattteppich

Meine Mutter säuberte den Garten
morgen kommt die Müllabfuhr

Von der Liebe zum Apfelbaum

(Jaja auch ein Fritz Messer muss ab und zu “kitischige Naturpoetik” schreiben. Keine Sorge es wird eine Ausnahme bleiben.)

Apfelbaum! Noch sind deine Zweige kahl
deine Krone leer
du glaubst mir meine Lügen
bist zu jung so sehr.

Oh! Dir entspringen Knospen
wie schön dein Antlitz auf mich wirkt
hat der Herr von Winter
seine Lebenszeit gar schnell verwirkt.

Ach Apfelbaum! Blühe und trage Äpfel
wenn es dir beliebt
lasse ein glückliches Vogelpaar in deinem Haupte nisten
du bist reif sie werden kommen.

In einem Weiß von unbekannter Schönheit
stehst du da
neben den anderen nackten grauen Bäumen
gewähre den Bienen Zuflucht
die dich dieser Tage so fleißig bestäuben.

Du warfst dein Kleid herab zu deinen Füßen
achtlos als wäre es dir nichts wert
ist es jetzt ein grünes das dich bekleidet
und sieh wie sich eine nach der anderen
grüne Frucht darunter zeiget.

Warm die Nacht hell ist mein Gesicht
strahlt das deine im roten Mondeslicht
lauschend dem Rauschen deines Körpers
liege ich deinen Armen – geborgen.

Das Vertrauen ging über Nacht dahin
ging mit dem ersten kalten Westwind.

Lieber Apfelbaum meine Lügen
glaubst du mir nicht mehr
denn es hängen an deinen Ästen
schon ganze rote Äpfel
groß und rund und schwer.

Wohlwissend dir nichts gutes zu tun
nehme ich mir einen nach dem anderen
und esse ihn mit Wohlbehagen
habe mit der Zeit viel zu viel Verstanden.

Apfelbaum! Du glaubst mir meine Lügen nicht mehr
deine Zweige sind so kahl deine Krone viel zu leer.
Ich erinnere mich noch an Tage
an denen die gelbe Sonne noch schien
warum leuchtet sie jetzt nicht mehr?
Du hättest es doch verdient !

Vom Bauen Am Unglück

Sie ging spazieren
auf der Suche nach Blumen
die sie so mag.

Er ging zur Jagd
auf der Suche nach Fleisch
um es zu verzehren.

Sie trafen aufeinander im grünen Wald
gingen zusammen den Weg
nichts böses im Sinn.

Doch wenn der grüne Wald sich verdichtet
teilt sich der schmale Pfad
wohin? rechts oder links?
der Zeitpunkt ist da
an dem der Eine für den Anderen verzichtet.

Dieser Eine steckt sie zurück seine Wünsche
um seinen Herzensträger nicht zu verletzen
doch weiß dieser es meist nicht zu schätzen.

Lösung eilt mit Trennung am gegabelten Weg
doch tun sie dies nicht
ist der Grundstein fürs Unglück gelegt.

F.M.

Katzenschnupfen

Zu Hause auf dem Sofa hört man es schniefen und niesen
Aus einem braun-weiß gestreiften Fellknäuel
Das sich sonst die Tage besonders faul – fauler als die Portugiesen
Mit dem Liegen und genießen der Sonne die Zeit vertreibt
Denn es ist ohne Zweifel – Wasserscheu

Das Tier von dem ich rede hat
Zu meinem größten Neid und Wehklagen
Sein ganzes bisheriges Leben im Liegen verbracht
Das Schlafen unterbrochen vom Fressen
Streunen im Sommer auf dem Rasen
Dem eigenen Schwanz hinterherjagen

(Im Vergleich:
Welch ein Leben ich bisher schon
Auf meinem Hintern in der Schule hab ausgesessen
Klagte ich:
“Zeus hast du denn die Gerechtigkeit vergessen?”)
So prozessierte ich und dann kam der Tag – der Absurde
An dem ich plötzlich ein erhörter Kläger wurde

Jetzt hilft ihr kein Prospan
Jetzt helfen ihr keine warmen Suppen
Jetzt hilft nicht Gottheit Pan
Gott der Wälder und Natur
Das Tier von dem ich rede
Ist die Katze mit dem Katzenschnupfen

Der Himmel draußen klar Azur
Und sie liegt schniefend unten nieder
Darf nicht raus und muss jetzt fristen
Die Tage bis er weg ist
Der fiese nervige Katzenschnupfen

F.M.

Somnium

Die Leidenschaft in der Früh
Zum Morgen der Wein im Roten
Der Mut am Mittagstisch
Zum Mittag das Wort im Großen
Die Moral beim Abendbrot
Zum Abend der Beischlaf aus Leid
Die Wünsche in nächtlichen Träumen
Zur Nacht der Schlaf – die Nüchternheit

F.M.

Die Kackbraune Illusion

Die kackbraune Illusion

Ein Lehrer lehrt die Gedichtsinterpretation:

»Ja Herr Schüler wie ist denn des Autors Intention?«
»Herr Lehrer er will seine Liebe zu einer Frau beton`
Und da eine Hyperbel und da eine Alliteration
Und das ist ein Symbol und das ein Oxymoron!«
»Ja fein Herr Musterknabe sie wissen ja alles schon «
»Ja ich gehöre eben zur wissenden Generation «
»Sicherlich sind schon bald eine bedeutende Person «
»Gewiss ich stehe fast überall 1 habe also genug Qualifikation «
»Herzlichen Glückwunsch ihr Leben wird eine erfüllte Version
Mit Frau und Kind und Haus und Balkon
Gute Noten gehören zum guten Ton «

Ein Lehrer will lehren
er lehrt mich Resignation
Der Schüler soll streben
doch schläft er schlafend schon:

Und in seinen Träumen verführt:
Die Hure Babylons
Tochter des mächtigen Pharao
Den großen König Salomon

Und unanständig schlafend verachtet er:
Die strebenden Schüler voller Hohn
Verachtet die goldenen Generation
Und ihre kackbraune Illusion
Vom Glücklichsein durch Reichtum

Und schlafend verachtet er:
Alles Schematische
Und er sieht sie als traurige Attraktion
Die fleißige perfide Schulinstitution

von FRITZ MESSER