Auftritte April und Mai

Es war vor drei Wochen, in einer atemlosen Nacht mit Helene Fischer, als ich mir vornahm diesen Frühling mal wieder in Greifswald auf eine Bühne zu steigen, um mein ärmliches Taschengeld aufzubessern. Mein neues Programm: "Krebsgang nach Rom" ist fertig und muss erprobt werden, bevor ich damit ins Exil gehe. Wer die schlecht vorgetragenen und auf der Wortebene dünn besetzen Texte von vornherein für gut befindet, ohne sie zu kennen, der merke sich folgende Termine und komme wenn möglich und kein Fußball läuft da hin:

Mittwoch, der 15.April
SimsalaSlam in der Polly, Verteidigung des 7.Platzes, Gage: 200€, Eintritt: 3€

Montag, der 28.April
OpenMic im Koeppen, Jeder liest was der Rezipient verdient, Gage: 1€, Eintritt: frei

Donnerstag, der 01.Mai
PoetrySlam am Hafen, großes Brimborium, Gage: 1200€

kommentieren

Klangnacht Vol.10

Nach dem durchaus erfolglosen Auftritt beim Greifswalder Poetry-Slam Ende Januar, folgt nun ein weiterer Gang auf die Bühne, diesmal in Berlin im Freudenreich, was mir gut tun wird, da ich daran arm bin.

Die Thematik: "Hochmut kommt vor dem Fall der Mauer" wird dabei nicht nur von mir, sondern auch von meinem sehr guten Kollegen "Fritz Messer" belesen werden. Ich freue mich vage und hoffe es wird kein Auftritt ins Fettnäpfchen.

Samstagabend, am 22.Märze, im Freudenreich.
Eintritt 3€, oder 3 Cheeseburger, wie der Berliner rechnet.

kommentieren

Kleine Öde an die Leipziger Buchmesse

Lauernd steht die Masse von Verlagen,
cheek to cheek, wie die Engländer sagen,
Das Gedränge ist groß, die Hoffnung doch klein,
"Ja welches der Bücher darf es denn sein?"

Ich breche vor Menschen, ein Ameisenhaufen,
ein teuflisch Gewusel, man kann gar nicht laufen,
denn das Bein es lahmt,
es lahmt bei all den alten,
aber sie wollen noch nicht abschalten,
nochmal jung sein, ein letztes Mal zur Messe hin,
und ich fühl mich, als wenn ich zurück im Altenheim bin.
Aber auch die Messe ist alt, hier traut sich keiner was,
Abwesenheit der Großen, somit Günter Grass.

Und die Messe ist fad, oder besser öde,
aber die Kassen klingeln trotzdem wie blöde,
die Literaten sitzen in der hellen Halle,
ihre ältlichen Stimmen ganz dünn nur, nicht pralle,
ein Zwitschern, wie Vögel mehr ist es nicht,
Niemand da, der etwas Interessantes spricht,
"Machs doch besser" starrt es auch düsteren Mündern,
"Halt deine Fresse, du Jungspund, du Rüpel,
Du willst doch hier nur plündern"
Und in mir tobt der lyrische Krüppel.

Wenn das mein Futur ist, ach Gott,
da möcht ich Literat nicht sein,
dann lieber bankrott,

und Exitus durch Nierenstein.

kommentieren

Erlebniskonnex II

nach einer wahren Begebenheit

Mit röhrendem Hackgeräusch dreht sich das in dünnen Darm gepresste Fleischknäul durch die Wurstschneidemaschine in der von vielen Bewohnern favorisierten Fleischerei in der Greifswalder Innenstadt. Die Wurstthekenfrau schaut fast etwas mitleidig auf den kleinerwerdenden phallischen Gegenstand oder ist es der wütende Blick einer alt gewordenen Emanze?

Die Schlange steht wartend am gläsernen Zahlschalter, als ein hochgewachsener Mann hereintritt. Am feinen Gang und dem ordentlich, mit einer sorgsamen Bewegung, gekämmten Barthaar sieht man sofort, dass er der Herr Professor ist. Einige junge Menschen schauen auf, schwingen sich aus den tiefen Speisesesseln und verbeugen sich. Nur der schrullige DJ-Typ, den hier alle Z(appel D.)eus nennen blickt in sein mit goldenen Steinchen beschlagenes Smartphone. Nachricht von Jürgen: ›Heut Saufen und Champions Lauge‹, der Typ lacht und schreibt: ›Bring mir mal ne Laugenbrezel und ne Maß mit du Rechtschreibenazi‹ dann kratzt er sich am linken Ohr, da wo ein Ring durchs Läppchen gestochen ist.

Der Professor ist sofort rangekommen. Sein Graumeliertes Haar, von Schuppen befreit (24 Stunden lang), glänzt in der Abendsonne, die durch die Frontscheibe des Ladens fällt. "2 Bocka, bitte" raunzt er freundlich und zieht seinen Hut wie zum Gruß. Zwei Mädchen von jungem Alter sehen verliebt auf das wohlgeformte Gesicht des Mitvierzigers. Sie wollen Karriere machen, aber auf die alte Art, mit weit geöffneten Beinen. ›Erstmal Abi, dann zu Papi‹ steht in schwarzer Schrift bei der einen in die Haut gemalt. Soll wohl eine Anspielung auf Scheidungskinder sein, deren Vater über jede Menge Geld verfügt, denkt der Herr Professor, der alles andere als auf den Kopf gefallen ist. Professur mit 22, 3 Kinder, 2 Mercedes und natürlich ein Haus am Gardasee beim Hoeneß ums Eck, da wo die Moneten durch fette Hände in Eichhörnchenlederportmonees fließen. "Aber der ist'n Guter" hat dem Dekan immer wieder der Profscout versichert.

Der Profscout war hier in Greifswald ein von Sportarten adaptierter Prototyp eines Menschen, der mit wachem Auge und gesundem Menschenverstand und so unbestechlich wie ein italienischer Priester die Ohren nach guten Lehrkräften offen hielt. Der Professor war ihm auf seiner Suche früh aufgefallen.Zum einen aufgrund des zumindest auf dem Papier makellosen Lebenslaufs und zum anderen durch die vielen Präsentkörbe. "Wenn dir jemand einen Präsentkorb schickt, dann kannst du ihm doch keinen Korb geben", hatte der Profscout immer wieder wie entschuldigend zu seiner Frau Anneliese gesagt. Irgendetwas in ihm war sich uneinig mit der eigenen Vorgehensweise.

Der Dj-Typ hingegen schaute schon eine ganze Weile an seinem Display vorbei auf die jungen Mädchen, die immer noch dasaßen, obwohl ihre Teller schon seit einiger Zeit leer waren. Wie lange schon sehnte er sich nach etwas Frischblut aus dem Greifswalder Jungbrunnen. Aber wie er auch grübelte wollte ihm nichts Gescheites einfallen und so beließ er es dabei, auf den nächsten Samstag zu warten wenn es wieder heißen würde: "The Last Girl takes the DJ" was hier sowas wie das Pendant zu einem Kalkbrennerkonzert auf Mallorca darstellen sollte, nur korrekter und künstlerisch angehaucht, mit dem gewissen Flair.

Langsam lockerte sich die Anspannung, die der Professor mit seiner Anwesenheit hineingebracht hatte. Gespräche wurden lauter, das Schmatzen ätzender und auch die Fritteuse gluckerte wieder unaufhörlich wie eine Frisöse. Als der Graumelierte sein Essen entgegennahm war auffällig zu beobachten, dass die Hand der Kassiererin ihn länger als üblich berührte. Der Blickkontakt zwischen den Beiden ließ vielleicht sogar einen fiktiven körperlichen Akt erahnen, den die Beiden in einvernehmlichen Gedanken vollführten. Wenige Sekunden später, als sie sich aus ihrer innigen von niemand zu erkennbaren Umarmung gelöst hatten, blickte die Fleischerin vielsagend zur Wurstschneidemaschine und schien mit ihren Augenbrauen irgendetwas sagen zu wollen. Mit einem Mal zerbrach das interpretative Instrument in der Hand des Beobachters und war von da an unabdingbar zerstört.

kommentieren

Erlebniskonnex I

nach einer wahren Begebenheit

Es ist der 21.Februar 2014. Linda Venato sitzt wie immer um diese Zeit in der Bibiliothek. Draußen ist es gerade dunkel geworden. Sie schreibt an ihrer Magisterarbeit und blättert in einem Buch über Psychologie. Ihr Thema: Verfolgungswahn. Eine Vibration erklingt und sie schaut auf ihr Telefon. SMS von unbekannter Nummer.

04.März 2014
Die Bibliothek ist mäßig besucht. Draußen perlt der Regen von den Scheiben. Plötzlich, es ist exakt 18Uhr 17, fährt ein kahlköpfiger Mann mit einem grünen Fahrrad durch die schmale Eingangstür. Der Mann bleibt neben der kleinen Balustrade stehen und erhebt seine Stimme. Das Gemurmel aus dem Umkleidekeller verstummt. "Hört ihr nicht wie das Leben um euch weint?" brüllt er wie ein Wahnsinniger in die Halle. "Das Leben, mein Werk. Ihr werdet sehen." Dann jodelt er kurz in sehr eigentümlicher Art. Angstvoll blicken sich die jungen Leute hinter der Balustrade an. Plötzlich zieht er etwas aus seiner hinteren Hosentasche. Es ist ein Zettel. "Ich hab eine Hausaufgabe für euch." setzt er wieder an: "Wer hat den Mut sie anzunehmen. Wer sieht die Hände am Ende der Strippen?". Dabei tanzt er wie eine Marionettenpuppe. In den unteren Reihen schauen alle verstört auf ihre langweiligen Hausarbeitsthemen. Im oberen Rang glotzt die ganze Meute, wie ein gieriger Schlund, dem Wahnsinn schmeckt. "Niemand? Traut sich keiner von euch? - Ihr Feiglinge! Denunzianten!" brüllt er, schwingt sich auf sein Fahrrad und fährt hinaus.

Der Saal atmet auf. Die Szenerie sättigt sich und alle lassen sich beruhigt, aber mit Gesprächsstoff versorgt auf ihre plattdeutschen Ärsche fallen. Doch plötzlich ist noch ein andere dumpfer Schlag zu vernehmen. Ruckzuck steht die Meute wieder. Arme fliegen in die Richtung, mit ausgestrecktem Zeiger. ›Da, da. Da ist eine zusammengebrochen.‹ wollen sie sagen. ›Da schaut. Wie geil, was für ein Tag, zwei krasse Sachen. Studieren kann so spannend sein‹. Doch niemand spricht diese Gedanken aus. Totenbleich liegt sie drüben hinter den Tischen. Studenten im Halbkreis staunen über die Magie der Biologie und sie denken an Julia Engelmann. Zwei beugen sich über den keuchenden Leib. Niemand weiß einen Rat, selbst der 37 Jährige Medizinstudent im 23 Semester blickt nichtssagend an der Präleiche vorbei. ›Verdammt, wenn es mal jetzt nicht zu spät für sie ist. So ein junges Ding.‹ - Nur die Finger sprechen gestenlos zu Fäusten geballt in die Hosentaschen.

Die Verkrampfte Gestalt versucht sich aufzurichten. Ihre Züge mehr unlebendig als menschlich, in der Hand noch das Telefon. SMS von Unbekannt: "Nun komm ich dich holen Linda. Ich hab eine Hausaufgabe für dich. Komm setzt dich auf mein Fahrrad".

kommentieren

Ich bin voll Dankbarkeit (Ode oder Ohne?)

Einen alten Hut zu besprechen heißt nicht, dass man ihn nicht ziehen muss. Ich habe das Phänomen Julia Engelmann am Anfang mit Unwürde als abstoßend empfunden. Man kann hier vielleicht sogar von einem generellen Ekel sprechen, den ich nach wenigen Tagen, wegen der wiederkehrenden Belästigung mit solcherart Poesie, entwickelt habe. Jedoch brach mit den Tagen auch die Weisheit ins Land und in einer phantastischen Nacht, die ich schweißdurchtränkt am capuletschen Waldschlösschenbrunnen in Julias Garten verbrachte und nach dem ihrigen Balkon meine Abneigung rief, da wurde mir bewusst, dass diese Entwicklung eine einmalige Chance bot.

Vor Jahren hatte ich, damals noch mit einem Kollegen aus wissenschaftlichen Kreisen, Überlegungen zu der ein oder anderen Wortinnovation angestellt. Ich muss zugeben, dass dieses Anliegen bis auf das schöne Wort "Aruge", welches ein Pondon zum Prost darstellt und bei Mahlzeiten laut ausgestoßen werden soll, ohne großartige Früchte geblieben war. Nun aber bot sich hier die Chance. Ich sah sie klar vor Augen, Julia Engelmann, sicher bereute sie längst ihren lieblichen Gang zum Poetrey-Altar. Sie stand für alles, was ich bisher als niedere Poesie und blenderische Tiefdeutigkeit empfunden hatte, ihr Name sollte mein Synonym für all die Peter Foxen, Caspers & Adel Tawilschen Gestalten dieser Welt sein.

Allerdings, und hier begann der tatsächliche praktische Gedankenprozess, musste der Name einer Änderung vollzogen werden. In meinen Augen schickte es sich nicht an, jedesmal den Teufel persönlich auszusprechen. Ich wollte jedoch ihren Namen als Vorbild nutzen, um daraus eine Kurzform zu schaffen. Meine Gedanken fuhren über Jul-e (bereits verwendet), Ju-eng (unmodern), schließlich zu j-eng/e. Im ersten Augenblick, erschien mir der Lautklang nicht sonderlich attraktiv, dann jedoch überkam mich plötzlich ein Vertrauen zu diesem neuen Wort und mit einem Mal waren meine Gedanken erfüllt von wundersamen Neuformungen von Sprichwörten und Phrasen. "Jeng, aber sexy", "Hast du Jeng am Schuh, hast du Jeng am Schuh", "im jengsten Sinne" waren dabei nur einige Beispiele (weitere folgen).
Wollen wir jeng/e zunächst klassifizieren. Als Nomen sehe ich zwei Möglichkeiten. Zum einen die Version ›die Jenge,‹ als Oberbegriff für scheinheilige Tiefsinnigkeit, verwendbar etwa in: „Jemanden in die Jenge treiben“ oder „Jenge schützt vor Torheit nicht“. Die zweite Nomenform wird zunächst einer Auslautverhärtung unterzogen und stellt einen Oberbegriff für die Zuordnung von Menschen in soziale Gruppen dar (eventuell als Schimpfwort zu gebrauchen): ›Jenk‹, verwendbar beispielsweise in: „Ein Jenk kommt selten allein“ oder „Du ungehobelter Jenk“. Ich verzichte aufgrund meiner Akzeptanz des neuen Weltbilds hier klar auf männliche oder weibliche Wortendungen.

Das Verb ›jengen‹, z.B. verwendbar in: „abjengen“ o. „sich etwas zurechtjengen“, beschreibt die Handlung, eine bodenlose Tiefsinnigkeit zu äußern oder zu verbreiten. Auch möglich in: „Der Teufel jengt immer auf den größten Haufen.“ Auch hier sind sicherlich viele Kombinationen möglich und der Kreativität keine Grenzen gesetzt, wobei ich nun selbst etwas jeng werde, weshalb wir gleich passend zur Adjektivverwendung kommen. ›Jeng‹ zu sein, bedeutet in etwa oberflächlich, aber bemüht darum zu sein, an der Oberfläche zu kratzen, ohne sie dabei durchdringen zu können. Plausibel wird dies durch einige Beispiele: „jeng und erfolgreich“ (aktuell), aber auch Nomen können dadurch negiert werden: „ein jenges Lob“. Weiterhin (brandaktuell): „Wir bleiben wach, bis die Wolken wieder jeng sind“, wobei man hier anmerken muss, dass der ganze Satz schon jeng ist, und auch das Lied und seine Sänger.

Um auf den Boden der Tatsachen zurückzukehren möchte ich in Verbindung mit verschiedenen Suffixen weitere mögliche Wortverwendungen aufzeigen: ›Jenglos‹ als positiv zu gebrauchendes Adjektiv. Vorstellbar in: „Vor dem brauchst du keine Angst zu haben, der ist völlig jenglos.“ Weiterhin ›jenglich‹ als Beschreibungsmöglichkeit für einen vielleicht geistlichen oder emotionalen Zustand: „Ich bin heute ziemlich jenglich drauf“ o. „Wer so jenglich ist braucht sich nicht wundern“. Als Option zur Deskription eines Zustandes bis hin zu einer Krankheit bietet sich ›Jenkheit‹ an, wobei man hier auf gewöhnliche Sinneinheiten zurückgreifen kann, um eine Skalierung herbeizuführen: „Die Jenkheit ist schlimmer geworden.“, „Insgesamt hat sich die Jenkheit in der „Kunstszene“ stark verbreitet.“ Zudem bieten sich für alle jengen Liebespaare folgende Koseformen an: ›Jenki‹, ›Jenkiputz‹, ›Jenkimaus‹ oä. , die natürlich auch mit einem internationaleren ›y‹ gebildet werden können (›Jenky‹).
Auch, und langsam möchte ich zum Ende meiner praktischen Ausführungen kommen, ist an eine eigene Sprache, das im PoetrySlam weit verbreitete ›Jenglisch‹ zu denken, mit der eine Einordnung vielleicht sogar in die literarischen Welt zu denken ist, obwohl natürlich immer gewiss sein muss, dass zwischen Poetik und Jenkheit ein klarer Graben verläuft, der durch keine noch so oberflüssliche Interpretationsbrücke überwunden werden kann.

Es bleibt zu hoffen, dass der wirkliche Gebrauch dieses Wortes Fiktion bleibt und sich die Angelegenheit im Zuge einer natürlichen Selektion von Sprache selbst auflöst. Andernfalls ist zu sagen, dass sich dieser Text vermutlich gut auf einer SlamBühne machen würde, vor allem, wenn es einem nach faulem Obst und schimmligen Broten dürstet.
Ich kann dazu nur sagen: Contenance – lasst den Kopf nicht jengen.

kommentieren

Kleiner Vortrag zu Gott

kommentieren

Bist ja nicht auf den Kopf gefallen, alte Sau

Aufgeplatzte Schädeldecke,
ich verrecke, ich verreckte,
zu dem Zwecke der Genesung,
unters Laken, zur Verwesung.
Doch bei all den schmalen Knochen,
niemals, jemals was gebrochen,
bis zu diesem Tage dann,
als es kam, wie es kam.
Da fuhr ich dann in Piruette,
gar Kerzengrad zum Dach hinauf,
doch rieß die Schwerkraft,
wie eine Kette,
mich wieder hinab.

Ich fiel herab wie faules Obst,
die Birne mit dem Stiel als Nase,
die Halle tobt,
Ich wandle Schweiß zu Blut,
und in all dem Übermut,
Zieh ich meinen Hut.
Hätt ich mal einen getragen,
oder einen Helm.

Dann im Krankehaus, ich check mein Telefon. Formular hier und da - Blabla, ich schreibe, schmerze, scherze. Es fallen auch die Tränen sollte ich erwähnen, dass ich mal auf der Bühne stand. "Nie mehr wie früher, es tut mir leid junger Herr, aber sie haben dann ein Charaktergesicht." Hä was? Die Nase krumm für immer? Das wäre ja noch schöner, da säh ich ja aus, ich wollt doch immer Model werden. Fuck. Sieht schlecht aus jetzt - Hier auf der Gesichtschirurgie. Vielleicht erstmal eine Prise NatriumTriOstzillat, schmeckt zwar fad so in den Venen, aber bringt das Herz in Wallung, so wie ein guter Schnaps. "Manche sind klüger danach" raunt mir eine Schwester ins Ohr als sie mich ins Operationsportal (OP) bringt. Bisher merke ich davon nichts, Rechtschreibung mangelhaft wie stets gewesen, ich schau jedes dritte Wort bei Google nach. Eine Hipsterin liegt im Zimmer nebenan, (gut ab hier ist alles eine Lüge) ich schau ihr in ihr eines Auge und kann sie nicht leiden, schade, vielleicht hätte wenigstens das geheilt werden können, dann hätte ich zurück nach Berlin kehren können und dort wäre alles unglaublich toll geworden, so wie ich es mir immer erwünscht hatte. Nicht! Doch!

Ich glaub der Aufschlag hat mich verändert. Ich sehe Thomas Hitze im Fernsehen und finde ihn plötzlich sehr attraktiv. Schöne Geschichte könnte man nun denken, aber ich bin noch aktiv und ich bin Profifußballer dh. daraus kann nichts werden. Ich beschränke meine Karriere wieder auf Twitter, wo ich dank meiner Folgschaft in 500 Fällen sogar 50 eigene Fans habe, eine gute Quote, dafür dass ich niemanden kenne. Außerdem bin ich voll der Journalist ej. Kann sogar meinen Schreibstiel verändern, wenn ich einen anderen Stift nehme. Haha. Aber zurück zum Kern. Das Essen ist hervorragend hier, Brot mit Käse und Wurst, wie bei Mutter vor 200 Jahren. Man ist halt ein Kassenpatient, Klischee wohin das Auge sieht, die Reicheren liegen 50 Stockwerke höher in goldenen Betten. An den Wänden sind Käfige angebracht, in denen junge Frauen oder Männer sich räkeln, je nachdem wie man gestrickt ist. "Jedem das seine" höre ich die floskelige Alte sagen, die hier jeden morgen die Obdachlosenzeitschrift verkauft.

RTL2 ist mittlerweile meine Heimat. "Köln 17489 - vom feuchten Wuppertal bis rauf ans Meer" ist längst meine favorite Sendung geworden, ich stell mir sogar Wecka danach, dass ich pünktlich bin. Hab längst aufgehört, die gutgemeinten Dokus zu kieken, bin jetzt einer vom anderen Ufer, nicht mehr MDR, NDR und Co. sondern hartes Straßenprogramm, voll abstrakter Kunst, die keiner verstehen kann, was sie so interessant macht. Alle zwei Stunden kommt eine aufgetaktelte, grad 18 Jährige, polnische Krankenschwester herein und pumpt mir 200ml Blut aus der Nase ab, das später wiederverwendet wird, wenn ich in meine Profilaufbahn zurückkehre. Heut eine Qual, morgen mein Sprungbrett zum Ball d'or, wo ich einen hübschen Tanz hinlegen werde. Machts gut da draußen. Ich trainiere hier kräftig meine Ellenbogen.

kommentieren

Über die Schublädierung

Die Stunden verstrichen rasend schnell. Noch waren es zwei bis zum Abgabetermin der Kolumne. Meine Finger fuhren wie wahnsinnige Schatten über die weiße Tastatur meines Apple-Highend-Produkts. Gleichzeitig werkelten hunderte Synapsen an neuen Verbindungen, Verstrickungen, Wirrungen und Irrungen, wie wohl Heinrich Fontane gesagt hätte. Ich war kurz davor den Verstand zu verlieren. Diese kranke Reise, die ich seit vier Stunden angetreten hatte, schien kein Ende zu nehmen. Ich versuchte immer wieder die Perspektive zu wechseln, sah mich dadurch aber in den abscheulichsten Farben und Formen und aus der Sicht anderer musste ich wie die Hässlichkeit in Person aussehen, von innen wie auch von außen. Der Druck, der meine Finger minütlich schwerer werden ließ presste meine Schädeldecke so sehr an die anliegende Hirnhautrinde, dass sie drohte porös, wie die Rinde der alten Linde am Marktplatz abzuplatzen.

Ich hatte alles. Erfolg, Geld, ich sah gut aus und hatte sogar ein paar Freunde, das einzige woran es mir fehlte war das Auge fürs Detail, der Sinn für Humor und die Hand Gottes auf den Tasten des Apfels. Ich schrieb und schrieb, das Geld rann mir links und rechts an den Backen vorbei direkt in mein Konto. Die Kolumne, die Bücher, das alles preisgekrönt, aber ich konnte es nicht mehr riechen. Den Dreck zu lesen hatte ich längst aufgegeben. Ich schrieb es, schickte es ab.

Manchmal, in 5 Minuten, schrieb ich ellenlange Abschnitte, machte dabei kaum Abstriche was Sinn und Verständlichkeit anging, aber mir war das doch alles egal, wenn ich mich bloß noch im Spiegel anschauen könnte. Meine fiebrige Stirn fing an zu jucken, ich kratzte und kratzte, roter, klebriger Apfelmus befleckte meine Finger, der Knochen kam und brach. Immer weiter bohrte ich, suchte den Grund für mein eigen Missgefallen, warum schrieb ich mal wie Goethe, mal wie Schiller und fand mich schlussendlich im Brecht zuhaus? Der Stil, die Ikone, die ich längst geworden war, alles nur ein Schandfleck und mittlerweile routiniert rotierten die großen Denker in ihren ewigen Liegelagerstätten.

Ich war was ich bin, ein Kopieist, modern, charmant, die Adaptierung adoptiert, vom großen Kuchen ich probiert, mein Hirn mit wulstig dicker Lausebubenpaste bis oben hin nur zugeschmiert. Und dann marschiert. In die Redaktionen. Der Guardian, der Spiegel, die Times, und eben all jene, die noch heut von meinen Worten zehren. Die denken, das wär große Kunst, die Lust zur Suche, zwischen den Zeilen das Krasse zu finden, die Leidenschaft, das Freche, ein Wunder, dass ich nicht erbreche, wo mir doch übel ist bei all den Lügen. Talent ist alles was ich besaß, Talent weit überm Mittelmaß. Talent zum Teufel, wenn das nicht alles ist. Schick schikaniert, hier und da Herta Müller flambiert, serviert und in die Schublade geschoben, weit oben, bei Shakespeare und Günter Grass, da flüstert was, da rumpelt‘s im Karton, vielleicht ist es der William, der mit dem gelben Daumen nach dem Goethe greift.

Ich lieg ein Stockwerk höher und kann es nicht genau ergründen. Und während ich so in die Dunkelheit lausche und maschinell schon applaudiere, da tönt von Fern ein Rauschen her, ein dumpfes, hallendes Füßetrampeln, fast wie ein Marsch, als wenn tausend Fäuste auf dünnes Holz sich niederlegen. Da wach ich auf und sitze waagerecht im Hörsaal zwischen den Reihen.

kommentieren

Lesung| Herr Eule lädt ein

Am 20.November 2013 lade ich zum ersten Mal Greifswalder Poeten zu einer gemeinsamen Lesung ein.

Emma Louise Meyer und Max Golenz gestalten diesen Abend an meiner Seite in unterhaltsamer, möglicherweise interaktiven Gangart mit jeder Menge Lyrik und Prosa, mit Gin und Grog und ein klein wenig Musik.

Um 20 Uhr öffnen wir die Pforten und eine halbe Stunde später geht es los.
Für 3€ seid ihr dabei, kommt hin und sucht nach dem Sinn.

Adresse:
StuThe Greifswald
Franz-Mehring-Straße 48, 17487 Greifswald

Facebook Veranstaltung

kommentieren

SonntagAbendRadioTalk

Die neue Radioshow: 2 vor 12 - Unterhaltung geht anders
Jeden Sonntag live ab 22 Uhr auf Radio 98eins im Livestream.

Hier noch die Links zu den Radiopodcasts der Vergangenheit
(+ meine persönliche Bewertung auf einer Skala von 1-10)
Themen:
- Weihnachtsmann...(7) Link
- Bar & Leben...(8) Link
- Verbrechen & Kritik...(9) Link
- Objektophilie...(9) Link
- Zitate im Orient...(3) Link
- Die Partei...(6) Die Link
- Was wäre wenn?...(4)Link
- Rap & Leben...(8)Link
- Aktuelles Geschehen...(6)Link
- BDSM...(9) Link

kommentieren

Über Engagement

Ich hab heute mal nachgedacht. Es war nicht so ein in sich gehen, sondern eher die bewusste Entscheidung dazu mir Gedanken zu machen. Oft tue ich das nicht. Ich würde mich nicht als einfältig bezeichen, aber meine Dimensionalität hält sich deutlich in Grenzen. Man könnte mich ein enfant stupido schimpfen, wenn man ein übler Mensch ist.

Jedenfalls, und dass ist wohl jenes worauf es ankommt, kam auch einiges dabei rum. Ich möchte nicht zu viel versprechen, aber es ging um meine unbändige Leidenschaft den Stift liegen zu lassen und die Tastatur auf meinem Computer zu benutzen. Ich schreibe. Darin bin ich durchaus engagiert und es amüsiert mich zutiefst welche Emotionen mein eigenes Wort hervorrufen kann, wenn ich es Jahre später zufällig lese. Oft rumort es in meinen tiefsten, von mir selbst verborgenen Winkeln meines Körpers. Oft habe ich das Gefühl, dass ich da noch mehr schreiben könnt. Wenn ich jeden Tag ein Gedicht mehr schreiben würde, dann könnte ich auch mehr Geld verdienen und würde mir damit ermöglichen, besser auszusehen. Aber es ist mir nicht möglich. Wenn der Zenit erreicht ist dann macht die Birne zu. Wenn ich dann lustigerweise noch einen Bissen von ihr abbeißen will, dann merke ich deutlich in den Zahnspitzen, dass es sich um eine unreife, granitharte Frucht handelt und jeder Satz der mir danach aus den Fingern fällt ist durchtränkt von unverständlichen Metaphern und Wortfiguren, die keine gute Figur machen.

Mit dem Engagement ist das ja immer so eine Sache. Viele Menschen, das vermute ich zumindest, haben Probleme damit sich zu motivieren, sich vor Augen zu führen, dass unsere Tage begrenzt sind. Aber wer kann schon sagen, dass das Leben eines engagierten Menschen besser ist, als das eines faulen, in der Veranda sitzenden Taugenichts. Natürlich schwingt da jetzt eine gewisse Wertung mit, jedoch bin ich außerstande zu sagen, dass ich nicht manchmal einfach nur gern herumsitze, in der Sofaritze und kleine Holzfigürchen schnitze, so wie es schon Arthur Schnitzler getan hat. Andererseits finde ich es durchaus fade mich in Gesellschaft von schlaffen Gestalten zu befinden. Irgendwie macht mich das müde, und wenn ich müde werde, dann langweile ich mich selbst. Ein schlimmer Kreislauf. Aber man hat ja die Entscheidung und eine Entscheidung ist immer eine Form des Engagements.

Gerade wurden ja diese Wahlen veranstaltet und nachdem die Ergebnisse verkündet wurden haben sich einige Menschen, die ich im Netto gesehen habe erschrocken an den Kopf gefasst und sagten immerwieder Sätze, die ihre Überraschung und Angst wiederspiegelten. Hatten diese Leute genug getan um ein anderes Wahlergebnis hervor zu bringen? Ich hatte es nicht, das konnte ich auch sofort beantworten. Doch ich fühlte mich nicht schuldig. Natürlich verwunderten die Menschen mich in dieser Hinsicht aufs Neue, aber dennoch hatte ich es mir nicht zur Aufgabe gemacht in diesem Lebensbereich zu handeln. Politik war was für Schlaue, für Leute, die sich auskannten in verschiedenen Dingen. Ich glaube Allgemeinwissen ist da sehr wichtig oder man musste wenigstens so reden können, als würde man etwas wissen. Deshalb schaut die Frau Merkel auch so gerne Günther Jauch. Oder weil sie heimlich in ihn verliebt ist. Man weiß es nicht. Jedenfalls hat sie sich für einen anderen Mann entschieden. Angela Merkel scheint sehr engagiert zu sein.

kommentieren

Der Charmeur

Ein Brot so hart wie Ebenholz,
der Wein so rot wie Blut,
das weiße Haar, es weht voll Stolz,
im Ofen ist noch Glut.

Der Charmeur sitzt am Tresen,
daneben eine hübsche Frau,
Er kann Gedanken lesen,
doch aus ihr wird er nicht schlau.

Die Luft wird ihm beinahe dünn,
der Kloss im Hals gigantisch groß,
Sie galt noch als sein Hauptgewinn,
doch nun ist sie ihn los.

Da geht er, der Hund, mit hängenden Kopf,
Die Gassen sind so kalt und grau,
Es packt die Wut ihm hart beim Schopf,
er will nur diese eine Frau.

Zurück bei der Bar linst er verstohlen in den Raum,
könnte man ihn von innen sehen,
so wäre es abscheulich,
doch man sieht ihn kaum.

Sie tritt heraus, der Knüppel fällt,
Pasanten schauen zu ihr rüber,
doch als der Krankenwagen hält,
da ist sie längst hinüber.

[Veröffentlicht am 02.Oktober 13]

kommentieren

Michel Mayse – Dokumentation: “Ein Leben am Limit der Musik”

Veröffentlicht am 23.09.2013

Das ist Wahnsinn. Wer zur Hölle ist Michel Mayse? Wo kommt er her und wie erreicht er die Herzen der Menschen? Fragen über Fragen. Wir haben uns auf den Weg gemacht Antworten zu finden. Begleiten Sie uns auf eine Reise am Limit der Musik, dort wo Michel Mayse eine Existenz aufgebaut hat. Folgen Sie den Spuren eines noch längst nicht verglühten Kometeneinschlags.
Alles weitere auf: Michel Mayse Facebook
Einen besonderen Dank an:

Fabian Rüther
Lisa Bönig
Fortune Coco
Neeltje "Rock'n" Rohlfes
Marcus Jülich
Felix Aust
Lisa Bacon
Svea Svenson
Vivi Jane
Hannelore Peach
Jasmin Han
Lili Rippich
Karlson & Nele
Kathi Schmidt
Herr & Frau Lange
Paul Kosselek
Uwe Busse

kommentieren

Copyright © 2013 Max Devantier.
All Rights Reserved.
Impressum | AGB
Haftungsausschluss | log-in