Güllene Reeperbahn

Ich finde Hamburg ganz anständig. Bin jetzt grad 3 Tage da. Wo ich wohne? Direkt an der Reeperbahn, kein ruhiges Viertel. Die Leute haben Lust zu feiern, selbst mittags, wenn man sich gerade erst aus seiner Daunendecke geschält hat. Der Weg zum Lidl ist ruhig auf den ersten zwei Dritteln. Normale Großstadtblocks aus Alt und Neubaumischung. Dann trifft man auf die allseits berüchtigte Bahn der Huren und Nutten. Links ein Lokal, Rechts ein Shop, in dem man sich für die verrückte Partynacht ausrüsten kann. Die meisten tragen die Haare Neon in diesen Stunden, es ist die Farbe des Moments, eine Perücke kostet 7 Euro. Dem gegenüber die große Freiheit. Hier schalt es bei Nacht besonders laut. Schallen tut es sowieso überall. Der Mensch ist hier besoffen, das ist so, egal zu welcher Zeit, nur die Angestellten scheinen verbündete zu sein, wenn der Griff zur Flasche einmal verwehrt geblieben ist.

Dann kommt der Lidl, gleich Links, weiter entfernt von der S-Bahnstation. Unter einer Fassade aus grauem Dreck und einem zu Normalität gewordenen Bauzaun öffnet sich die kleine gelb-blaue Spelunke, ein Ort an dem die Preise gewohnt sind, das Hefe kostet 35 Cent und auch sonst ist alles üblich. Natürlich befindet sich hier mehr Abschaum: Outdoor-Alkoholiker, deren Schatten die Pfandnascher und ein Heer an Proleten, meist männlich, die mit für sie berüchtigter Manier ein ums andere Fass heraustragen. Es riecht trotzdem gar nicht übel, die Regale sind geordnet, ein Sicherheitsmann achtet auf seinen Laden. Ich möchte mir nicht vorstellen, was eine Kassiererin in diesen Breiten so alles zu hören bekommt, das meiste ist wohl gar nicht verständlich, da nur ein Lallen. Wenn man dort wieder hinaustritt und durch eine kleine Unterführung geht kommt man zu einem weiteren Lokal. Es ist so eine Cocktailstube, ich habe sie mir gar nicht genau angesehen, aber das Bild der Gesamten Reeperbahn hat sich auch hier niedergeschlagen, die Nutten mittendrin, mit ihren Nylonstiefeletten, fest bis oben zugeschnürt, eine hässlicher als die andere und unendlich verbraucht, man könnte fast annehmen, der dünne Stoff, der ihre Haut verdeckt ist noch alles was sie zusammenhält. Naja, eine Geschichte für sich sicherlich.

An der Kreuzung ein Klosett für Herren. Zwei Wände und eine Pissrinne, der Uringestank weht bis zu den Sitzreihen vor der Cocktailbar, wo er sich mit den Fahnen der Anwesenden vermischt und zu einem undefinierbaren Dunst aus Abartigkeit verkommt. Inmitten der Klappbänke steht ein Clown, er sticht kaum heraus, die Nase rot, die Haare Kraus, aber irgendwie sehen auch alle so hier aus, vielleicht auch wegen der Veranstaltung. Der Alltag, wenn es denn so etwas gibt, ist heute von einer besonderen Gegebenheit durchbrochen, es herrscht der Schlager-Move auf den Straßen. Bunte Wagen mit riesigen Soundanlagen fahren vorbei, dicht befüllt mit noch bunterem Partyvolk. 29€ kostet diese Zweistündige Fahrt einmal die Straße hinauf. Der Lärm ist Ohrenbetäubend, mancher Bass lässt fast die plastenen Sektgläser zerspringen, die hier am Rand sehr in Mode sind. Sekt und Mischbier, billiger Fusel, hier mit dem Besonderen Umstand angereichert und deshalb dreimal so teuer. Aber es verkauft sich. Solang der Mensch trinkt besinnt er sich nicht auf sein Portmonee.

Die Wagen sind nichts als umgebaute Lastwagen, die Ladefläche ist nur bis zur hälfte Aufgebaut und die Menschen darin befinden sich wie Schweine in ihrem Gatter, nur mit dem Unterschied, dass sie Wenke Myhre und Wolfgang Petry hören, anstatt zu Grunzen. Naja vielleicht tun sie das auch. Neben der grandiosen Alkoholvöllerei betreibt die Masse gleichzeitig ein riesiges lüsternes Spiel, das beinhaltet, dass verschiedene Zungen verschiedene Münder von Innen abgetastet haben müssen. Das Ganze sieht von außen, so gänzlich nüchtern (es ist 14 Uhr), recht sonderbar aus, vergleichbar vielleicht mit Vogeleltern, die ihre Jungen füttern. Man kennt das aus der Schule.

Wenn man dann weitergeht, über die Kreuzung und noch eine Ampel entfernter, dann wird es gleich viel ruhiger. Die Straßen sind fast unbelebt, der Spaßmagnet hat die Menschen von ihr fortgezogen, oder hier leben tatsächlich Menschen, die etwas anderes zu tun haben. Vielleicht sind es auch die ganzen Nutten, die jetzt gerade ihren Dienst schieben. Das Viertel der Begierde scheint in alle Richtungen augenblicklich abzunehmen, das ganze ist wie ein Ring von Straßen und Biegungen, den man entlang gehen kann ohne belästigt zu werden. Kein Schall oder aufgedrängt Liebesdienste. Die Straßen sind auch gewöhnlich, sauber, vielleicht sogar absonderlich still, wenige Läden, wenig Menschen, wie eine Bufferzone für den lautesten Bezirk der Stadt. Man kann sich vorstellen hier zu wohnen. Man kann sich vorstellen drüben beim Aldi einkaufen zu gehen. Gleich hier ums Eck bietet sich wieder ein anderes Bild. Dieser Bezirk scheint aus verschiedenen kleinen Puzzleteilen zu bestehen, die relativ abgetrennt voneinander zusammen doch ein passendes Gesamtbild ergeben. Hier an diesem kleinen Platz, man kann es eigentlich kaum so nennen, denn es ist eher eine abgeschiedene Kreuzung, die den Fußgängern gehört, spielt eine andere Musik. Die Lokale sind etwas feiner, Stuck an den Decken, dezent eingerichtet, nicht so prall und bunt wie vorn auf der Bahn. Viel Holz, wenig Gold, einfache Theken. In so einen Laden bin ich dann auch gegangen. Augenblicklich hatte ich die alten Bilder aus Berlin wieder im Kopf, Rosenthaler Platz, das könnte man vergleichen. Szenische Leute, mit halben Schnurrbärten und den karierten Hemden und einfachen Hosen, in braun und schwarz, selten Jeansträger. Oberflächlich betrachtet könnte man die Personen hier wohl mit denen aus Berlin austauschen, ohne dass es groß auffallen würde. Da ich niemanden persönlich kennenlernte an diesem Tag kann ich mir einen anderen Ausblick auch nicht ermöglichen, zu sagen ist aber sicherlich, dass mein Interesse durch den Anblick dieser Menschen nicht sonderlich gesteigert wurde. Es kam mir vor, als würden die hier Anwesenden sich für etwas Besonderes halten und das konnte ich partout nicht leiden. Witzig, dass mir ebensolche Arroganz selbst oft nachgesagt wird.

Ich trank also ein gutes, weil kühles, blondes Hefe. Der große Raum war mit Hilfe verschiedenerer Sitzecken in kleine Bereiche aufgeteilt. In jedem einzelnen hätte sich wohl eine stets eigene Welt geöffnet wenn ich gelauscht hätte, aber ich war auf den Blick durch die Frontscheibe konzentriert. Gegenüber hatte ich einen Italiener entdeckt, dessen Kochkunst ich gern an meinen Gaumen geführt hätte, aber dazu fehlte mir leider das Kleingeld. Sowieso war hier alles relativ teuer, bis auf den Lidl, den ich am nächsten Morgen wieder aufsuchen sollte. Diesmal war alles anders. Die neue Woche war angebrochen, der Montag kroch in die Straßen und als ich mich gegen 10 auf den Weg machte fand ich ein anderes Bild vor. Die Reeperbahn war fast leer. Die Straßen waren erstaunlich sauber, nur vereinzelt befanden sich kleine Haufen zusammengekehrten Drecks. Natürlich hatten auch die Lokale geschlossen, die schmalen Biergärten auf der Fußgängerzone trauerten den vergangenen Stunden hinterher, in denen ihnen der Lebenssinn von einer Stange Menschen innegewohnt hatte. Auch die Souvenirläden hielten ihre Türen noch verschlossen, das Gesocks an Nutten war verschwunden und sogar die Luft war frisch und hatte zu diesem Zeitpunkt einen Alkoholgehalt von 0%. Im Lidl bot sich ein ähnlich stilles Bild. Leere Gänge und eine einzige Kassiererin, die nichts zu tun hatte, aber von einer Pause absehen musste, damit sich das unmenschliche Hamsterrad, in dem sie sich befand, weiterdrehte. Ich nahm einige Schrippen zur Hand und zahlte. Was für ein Bezirk dachte ich, mehr als drei Gesichter und dann war ihr Hauptantlitz noch bipolar wandelbar.

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Der Museumsbesuch – Livemitschnitt

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Immer wieder Rudi

Rudolf steht mal wieder am Herd. Es köchelt. Nichts großes, eine kleine Soße, neun Zutaten, fertig. Dazu ein gutes Glas Nudeln. Zimmertemperatur wie sich versteht. Gestern Diagnose Laktoseintoleranz, heute Lactoseintoleranzignoranz. Deftig Sahne reingießen, ein bisschen Kondensmilch noch dazu und oben drüber statt Parmesan eine Prise Molkenpulver. Voila, bon appetito, wie der Russe sagt. Dem Tod ein Schnippchen schlagen und die Unverträglichkeit ertragen. Vertragen wäre zu viel gesagt. Rudolf weiß, dass ihn diese Krankheit nicht umbringen wird. Aber verdammt. Noch mehr Zeit im Supermarkt verbringen. Er studiert jetzt Etiketten. - Oder pegelt sich das ein? Die Fragen, die sich ihm stellen sind styler. Er ist es und wird es bleiben. Undercut 19%, ganz frisch, ganz neu. Manche geben mit 35% an, aber Rudi hat 19. Das ist krass, das traut sich keiner.

2012 wurde er zum mutigsten Mann Deutschlands gewählt. Den Titel erhielt er nicht einfach so. Er hat mit Nadja Benaissa verkehrt, auf einem Bett aus Rasierklingen geschlafen und an einer Demo gegen Nazis teilgenommen. Er hat in 2 Stunden 48 Minuten die Spree (Berlin) durchschwommen, ist danach zu Burger King und hat sich 23 Cheeseburger reingezogen, dabei trug er ein Schild auf dem stand: „Ich bitte jeden darum, der Aggression verspürt, dass er seine Wut in meine Visage führt.“

Wenig später durfte er bei der Eishockey-WM für Österreich spielen. Er war Goalie. Hat gut gespielt, ganz ohne Schutzkleidung, 27 Knochenbrüche, aber was solls. Sotschi – 10.Platz. Das ist nicht zu verachten. Jetzt steht er am Herd. Die Soße ist gleich fertig. Soll er‘s nochmal wagen? ›Scheiß drauf‹ nuschelt er und wirft alles in eine riesige Schale. Was sind schon Magenkrämpfe. Dann schlingt er alles hinunter. Er muss sich beeilen. Heute Abend ist große Greifswalder Fight Night. Sein Gegner wird hart zuschlagen. Yakov Klitschko, ganz neu im Geschäft, der Sohn vom Vitali. Aber Rudolf weiß: Sein Willen ist härter.

geschrieben am 08.Mai 2014

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Auftritte April und Mai

Es war vor drei Wochen, in einer atemlosen Nacht mit Helene Fischer, als ich mir vornahm diesen Frühling mal wieder in Greifswald auf eine Bühne zu steigen, um mein ärmliches Taschengeld aufzubessern. Mein neues Programm: "Krebsgang nach Rom" ist fertig und muss erprobt werden, bevor ich damit ins Exil gehe. Wer die schlecht vorgetragenen und auf der Wortebene dünn besetzen Texte von vornherein für gut befindet, ohne sie zu kennen, der merke sich folgende Termine und komme wenn möglich und kein Fußball läuft da hin:

Mittwoch, der 15.April
SimsalaSlam in der Polly, Verteidigung des 7.Platzes, Gage: 200€, Eintritt: 3€

Montag, der 28.April
OpenMic im Koeppen, Jeder liest was der Rezipient verdient, Gage: 1€, Eintritt: frei

Donnerstag, der 01.Mai
PoetrySlam am Hafen, großes Brimborium, Gage: 1200€

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Klangnacht Vol.10

Nach dem durchaus erfolglosen Auftritt beim Greifswalder Poetry-Slam Ende Januar, folgt nun ein weiterer Gang auf die Bühne, diesmal in Berlin im Freudenreich, was mir gut tun wird, da ich daran arm bin.

Die Thematik: "Hochmut kommt vor dem Fall der Mauer" wird dabei nicht nur von mir, sondern auch von meinem sehr guten Kollegen "Fritz Messer" belesen werden. Ich freue mich vage und hoffe es wird kein Auftritt ins Fettnäpfchen.

Samstagabend, am 22.Märze, im Freudenreich.
Eintritt 3€, oder 3 Cheeseburger, wie der Berliner rechnet.

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Kleine Öde an die Leipziger Buchmesse

Lauernd steht die Masse von Verlagen,
cheek to cheek, wie die Engländer sagen,
Das Gedränge ist groß, die Hoffnung doch klein,
"Ja welches der Bücher darf es denn sein?"

Ich breche vor Menschen, ein Ameisenhaufen,
ein teuflisch Gewusel, man kann gar nicht laufen,
denn das Bein es lahmt,
es lahmt bei all den alten,
aber sie wollen noch nicht abschalten,
nochmal jung sein, ein letztes Mal zur Messe hin,
und ich fühl mich, als wenn ich zurück im Altenheim bin.
Aber auch die Messe ist alt, hier traut sich keiner was,
Abwesenheit der Großen, somit Günter Grass.

Und die Messe ist fad, oder besser öde,
aber die Kassen klingeln trotzdem wie blöde,
die Literaten sitzen in der hellen Halle,
ihre ältlichen Stimmen ganz dünn nur, nicht pralle,
ein Zwitschern, wie Vögel mehr ist es nicht,
Niemand da, der etwas Interessantes spricht,
"Machs doch besser" starrt es auch düsteren Mündern,
"Halt deine Fresse, du Jungspund, du Rüpel,
Du willst doch hier nur plündern"
Und in mir tobt der lyrische Krüppel.

Wenn das mein Futur ist, ach Gott,
da möcht ich Literat nicht sein,
dann lieber bankrott,

und Exitus durch Nierenstein.

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Erlebniskonnex II

nach einer wahren Begebenheit

Mit röhrendem Hackgeräusch dreht sich das in dünnen Darm gepresste Fleischknäul durch die Wurstschneidemaschine in der von vielen Bewohnern favorisierten Fleischerei in der Greifswalder Innenstadt. Die Wurstthekenfrau schaut fast etwas mitleidig auf den kleinerwerdenden phallischen Gegenstand oder ist es der wütende Blick einer alt gewordenen Emanze?

Die Schlange steht wartend am gläsernen Zahlschalter, als ein hochgewachsener Mann hereintritt. Am feinen Gang und dem ordentlich, mit einer sorgsamen Bewegung, gekämmten Barthaar sieht man sofort, dass er der Herr Professor ist. Einige junge Menschen schauen auf, schwingen sich aus den tiefen Speisesesseln und verbeugen sich. Nur der schrullige DJ-Typ, den hier alle Z(appel D.)eus nennen blickt in sein mit goldenen Steinchen beschlagenes Smartphone. Nachricht von Jürgen: ›Heut Saufen und Champions Lauge‹, der Typ lacht und schreibt: ›Bring mir mal ne Laugenbrezel und ne Maß mit du Rechtschreibenazi‹ dann kratzt er sich am linken Ohr, da wo ein Ring durchs Läppchen gestochen ist.

Der Professor ist sofort rangekommen. Sein Graumeliertes Haar, von Schuppen befreit (24 Stunden lang), glänzt in der Abendsonne, die durch die Frontscheibe des Ladens fällt. "2 Bocka, bitte" raunzt er freundlich und zieht seinen Hut wie zum Gruß. Zwei Mädchen von jungem Alter sehen verliebt auf das wohlgeformte Gesicht des Mitvierzigers. Sie wollen Karriere machen, aber auf die alte Art, mit weit geöffneten Beinen. ›Erstmal Abi, dann zu Papi‹ steht in schwarzer Schrift bei der einen in die Haut gemalt. Soll wohl eine Anspielung auf Scheidungskinder sein, deren Vater über jede Menge Geld verfügt, denkt der Herr Professor, der alles andere als auf den Kopf gefallen ist. Professur mit 22, 3 Kinder, 2 Mercedes und natürlich ein Haus am Gardasee beim Hoeneß ums Eck, da wo die Moneten durch fette Hände in Eichhörnchenlederportmonees fließen. "Aber der ist'n Guter" hat dem Dekan immer wieder der Profscout versichert.

Der Profscout war hier in Greifswald ein von Sportarten adaptierter Prototyp eines Menschen, der mit wachem Auge und gesundem Menschenverstand und so unbestechlich wie ein italienischer Priester die Ohren nach guten Lehrkräften offen hielt. Der Professor war ihm auf seiner Suche früh aufgefallen.Zum einen aufgrund des zumindest auf dem Papier makellosen Lebenslaufs und zum anderen durch die vielen Präsentkörbe. "Wenn dir jemand einen Präsentkorb schickt, dann kannst du ihm doch keinen Korb geben", hatte der Profscout immer wieder wie entschuldigend zu seiner Frau Anneliese gesagt. Irgendetwas in ihm war sich uneinig mit der eigenen Vorgehensweise.

Der Dj-Typ hingegen schaute schon eine ganze Weile an seinem Display vorbei auf die jungen Mädchen, die immer noch dasaßen, obwohl ihre Teller schon seit einiger Zeit leer waren. Wie lange schon sehnte er sich nach etwas Frischblut aus dem Greifswalder Jungbrunnen. Aber wie er auch grübelte wollte ihm nichts Gescheites einfallen und so beließ er es dabei, auf den nächsten Samstag zu warten wenn es wieder heißen würde: "The Last Girl takes the DJ" was hier sowas wie das Pendant zu einem Kalkbrennerkonzert auf Mallorca darstellen sollte, nur korrekter und künstlerisch angehaucht, mit dem gewissen Flair.

Langsam lockerte sich die Anspannung, die der Professor mit seiner Anwesenheit hineingebracht hatte. Gespräche wurden lauter, das Schmatzen ätzender und auch die Fritteuse gluckerte wieder unaufhörlich wie eine Frisöse. Als der Graumelierte sein Essen entgegennahm war auffällig zu beobachten, dass die Hand der Kassiererin ihn länger als üblich berührte. Der Blickkontakt zwischen den Beiden ließ vielleicht sogar einen fiktiven körperlichen Akt erahnen, den die Beiden in einvernehmlichen Gedanken vollführten. Wenige Sekunden später, als sie sich aus ihrer innigen von niemand zu erkennbaren Umarmung gelöst hatten, blickte die Fleischerin vielsagend zur Wurstschneidemaschine und schien mit ihren Augenbrauen irgendetwas sagen zu wollen. Mit einem Mal zerbrach das interpretative Instrument in der Hand des Beobachters und war von da an unabdingbar zerstört.

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Erlebniskonnex I

nach einer wahren Begebenheit

Es ist der 21.Februar 2014. Linda Venato sitzt wie immer um diese Zeit in der Bibiliothek. Draußen ist es gerade dunkel geworden. Sie schreibt an ihrer Magisterarbeit und blättert in einem Buch über Psychologie. Ihr Thema: Verfolgungswahn. Eine Vibration erklingt und sie schaut auf ihr Telefon. SMS von unbekannter Nummer.

04.März 2014
Die Bibliothek ist mäßig besucht. Draußen perlt der Regen von den Scheiben. Plötzlich, es ist exakt 18Uhr 17, fährt ein kahlköpfiger Mann mit einem grünen Fahrrad durch die schmale Eingangstür. Der Mann bleibt neben der kleinen Balustrade stehen und erhebt seine Stimme. Das Gemurmel aus dem Umkleidekeller verstummt. "Hört ihr nicht wie das Leben um euch weint?" brüllt er wie ein Wahnsinniger in die Halle. "Das Leben, mein Werk. Ihr werdet sehen." Dann jodelt er kurz in sehr eigentümlicher Art. Angstvoll blicken sich die jungen Leute hinter der Balustrade an. Plötzlich zieht er etwas aus seiner hinteren Hosentasche. Es ist ein Zettel. "Ich hab eine Hausaufgabe für euch." setzt er wieder an: "Wer hat den Mut sie anzunehmen. Wer sieht die Hände am Ende der Strippen?". Dabei tanzt er wie eine Marionettenpuppe. In den unteren Reihen schauen alle verstört auf ihre langweiligen Hausarbeitsthemen. Im oberen Rang glotzt die ganze Meute, wie ein gieriger Schlund, dem Wahnsinn schmeckt. "Niemand? Traut sich keiner von euch? - Ihr Feiglinge! Denunzianten!" brüllt er, schwingt sich auf sein Fahrrad und fährt hinaus.

Der Saal atmet auf. Die Szenerie sättigt sich und alle lassen sich beruhigt, aber mit Gesprächsstoff versorgt auf ihre plattdeutschen Ärsche fallen. Doch plötzlich ist noch ein andere dumpfer Schlag zu vernehmen. Ruckzuck steht die Meute wieder. Arme fliegen in die Richtung, mit ausgestrecktem Zeiger. ›Da, da. Da ist eine zusammengebrochen.‹ wollen sie sagen. ›Da schaut. Wie geil, was für ein Tag, zwei krasse Sachen. Studieren kann so spannend sein‹. Doch niemand spricht diese Gedanken aus. Totenbleich liegt sie drüben hinter den Tischen. Studenten im Halbkreis staunen über die Magie der Biologie und sie denken an Julia Engelmann. Zwei beugen sich über den keuchenden Leib. Niemand weiß einen Rat, selbst der 37 Jährige Medizinstudent im 23 Semester blickt nichtssagend an der Präleiche vorbei. ›Verdammt, wenn es mal jetzt nicht zu spät für sie ist. So ein junges Ding.‹ - Nur die Finger sprechen gestenlos zu Fäusten geballt in die Hosentaschen.

Die Verkrampfte Gestalt versucht sich aufzurichten. Ihre Züge mehr unlebendig als menschlich, in der Hand noch das Telefon. SMS von Unbekannt: "Nun komm ich dich holen Linda. Ich hab eine Hausaufgabe für dich. Komm setzt dich auf mein Fahrrad".

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Ich bin voll Dankbarkeit (Ode oder Ohne?)

Einen alten Hut zu besprechen heißt nicht, dass man ihn nicht ziehen muss. Ich habe das Phänomen Julia Engelmann am Anfang mit Unwürde als abstoßend empfunden. Man kann hier vielleicht sogar von einem generellen Ekel sprechen, den ich nach wenigen Tagen, wegen der wiederkehrenden Belästigung mit solcherart Poesie, entwickelt habe. Jedoch brach mit den Tagen auch die Weisheit ins Land und in einer phantastischen Nacht, die ich schweißdurchtränkt am capuletschen Waldschlösschenbrunnen in Julias Garten verbrachte und nach dem ihrigen Balkon meine Abneigung rief, da wurde mir bewusst, dass diese Entwicklung eine einmalige Chance bot.

Vor Jahren hatte ich, damals noch mit einem Kollegen aus wissenschaftlichen Kreisen, Überlegungen zu der ein oder anderen Wortinnovation angestellt. Ich muss zugeben, dass dieses Anliegen bis auf das schöne Wort "Aruge", welches ein Pondon zum Prost darstellt und bei Mahlzeiten laut ausgestoßen werden soll, ohne großartige Früchte geblieben war. Nun aber bot sich hier die Chance. Ich sah sie klar vor Augen, Julia Engelmann, sicher bereute sie längst ihren lieblichen Gang zum Poetrey-Altar. Sie stand für alles, was ich bisher als niedere Poesie und blenderische Tiefdeutigkeit empfunden hatte, ihr Name sollte mein Synonym für all die Peter Foxen, Caspers & Adel Tawilschen Gestalten dieser Welt sein.

Allerdings, und hier begann der tatsächliche praktische Gedankenprozess, musste der Name einer Änderung vollzogen werden. In meinen Augen schickte es sich nicht an, jedesmal den Teufel persönlich auszusprechen. Ich wollte jedoch ihren Namen als Vorbild nutzen, um daraus eine Kurzform zu schaffen. Meine Gedanken fuhren über Jul-e (bereits verwendet), Ju-eng (unmodern), schließlich zu j-eng/e. Im ersten Augenblick, erschien mir der Lautklang nicht sonderlich attraktiv, dann jedoch überkam mich plötzlich ein Vertrauen zu diesem neuen Wort und mit einem Mal waren meine Gedanken erfüllt von wundersamen Neuformungen von Sprichwörten und Phrasen. "Jeng, aber sexy", "Hast du Jeng am Schuh, hast du Jeng am Schuh", "im jengsten Sinne" waren dabei nur einige Beispiele (weitere folgen).
Wollen wir jeng/e zunächst klassifizieren. Als Nomen sehe ich zwei Möglichkeiten. Zum einen die Version ›die Jenge,‹ als Oberbegriff für scheinheilige Tiefsinnigkeit, verwendbar etwa in: „Jemanden in die Jenge treiben“ oder „Jenge schützt vor Torheit nicht“. Die zweite Nomenform wird zunächst einer Auslautverhärtung unterzogen und stellt einen Oberbegriff für die Zuordnung von Menschen in soziale Gruppen dar (eventuell als Schimpfwort zu gebrauchen): ›Jenk‹, verwendbar beispielsweise in: „Ein Jenk kommt selten allein“ oder „Du ungehobelter Jenk“. Ich verzichte aufgrund meiner Akzeptanz des neuen Weltbilds hier klar auf männliche oder weibliche Wortendungen.

Das Verb ›jengen‹, z.B. verwendbar in: „abjengen“ o. „sich etwas zurechtjengen“, beschreibt die Handlung, eine bodenlose Tiefsinnigkeit zu äußern oder zu verbreiten. Auch möglich in: „Der Teufel jengt immer auf den größten Haufen.“ Auch hier sind sicherlich viele Kombinationen möglich und der Kreativität keine Grenzen gesetzt, wobei ich nun selbst etwas jeng werde, weshalb wir gleich passend zur Adjektivverwendung kommen. ›Jeng‹ zu sein, bedeutet in etwa oberflächlich, aber bemüht darum zu sein, an der Oberfläche zu kratzen, ohne sie dabei durchdringen zu können. Plausibel wird dies durch einige Beispiele: „jeng und erfolgreich“ (aktuell), aber auch Nomen können dadurch negiert werden: „ein jenges Lob“. Weiterhin (brandaktuell): „Wir bleiben wach, bis die Wolken wieder jeng sind“, wobei man hier anmerken muss, dass der ganze Satz schon jeng ist, und auch das Lied und seine Sänger.

Um auf den Boden der Tatsachen zurückzukehren möchte ich in Verbindung mit verschiedenen Suffixen weitere mögliche Wortverwendungen aufzeigen: ›Jenglos‹ als positiv zu gebrauchendes Adjektiv. Vorstellbar in: „Vor dem brauchst du keine Angst zu haben, der ist völlig jenglos.“ Weiterhin ›jenglich‹ als Beschreibungsmöglichkeit für einen vielleicht geistlichen oder emotionalen Zustand: „Ich bin heute ziemlich jenglich drauf“ o. „Wer so jenglich ist braucht sich nicht wundern“. Als Option zur Deskription eines Zustandes bis hin zu einer Krankheit bietet sich ›Jenkheit‹ an, wobei man hier auf gewöhnliche Sinneinheiten zurückgreifen kann, um eine Skalierung herbeizuführen: „Die Jenkheit ist schlimmer geworden.“, „Insgesamt hat sich die Jenkheit in der „Kunstszene“ stark verbreitet.“ Zudem bieten sich für alle jengen Liebespaare folgende Koseformen an: ›Jenki‹, ›Jenkiputz‹, ›Jenkimaus‹ oä. , die natürlich auch mit einem internationaleren ›y‹ gebildet werden können (›Jenky‹).
Auch, und langsam möchte ich zum Ende meiner praktischen Ausführungen kommen, ist an eine eigene Sprache, das im PoetrySlam weit verbreitete ›Jenglisch‹ zu denken, mit der eine Einordnung vielleicht sogar in die literarischen Welt zu denken ist, obwohl natürlich immer gewiss sein muss, dass zwischen Poetik und Jenkheit ein klarer Graben verläuft, der durch keine noch so oberflüssliche Interpretationsbrücke überwunden werden kann.

Es bleibt zu hoffen, dass der wirkliche Gebrauch dieses Wortes Fiktion bleibt und sich die Angelegenheit im Zuge einer natürlichen Selektion von Sprache selbst auflöst. Andernfalls ist zu sagen, dass sich dieser Text vermutlich gut auf einer SlamBühne machen würde, vor allem, wenn es einem nach faulem Obst und schimmligen Broten dürstet.
Ich kann dazu nur sagen: Contenance – lasst den Kopf nicht jengen.

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Kleiner Vortrag zu Gott

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Bist ja nicht auf den Kopf gefallen, alte Sau

Aufgeplatzte Schädeldecke,
ich verrecke, ich verreckte,
zu dem Zwecke der Genesung,
unters Laken, zur Verwesung.
Doch bei all den schmalen Knochen,
niemals, jemals was gebrochen,
bis zu diesem Tage dann,
als es kam, wie es kam.
Da fuhr ich dann in Piruette,
gar Kerzengrad zum Dach hinauf,
doch rieß die Schwerkraft,
wie eine Kette,
mich wieder hinab.

Ich fiel herab wie faules Obst,
die Birne mit dem Stiel als Nase,
die Halle tobt,
Ich wandle Schweiß zu Blut,
und in all dem Übermut,
Zieh ich meinen Hut.
Hätt ich mal einen getragen,
oder einen Helm.

Dann im Krankehaus, ich check mein Telefon. Formular hier und da - Blabla, ich schreibe, schmerze, scherze. Es fallen auch die Tränen sollte ich erwähnen, dass ich mal auf der Bühne stand. "Nie mehr wie früher, es tut mir leid junger Herr, aber sie haben dann ein Charaktergesicht." Hä was? Die Nase krumm für immer? Das wäre ja noch schöner, da säh ich ja aus, ich wollt doch immer Model werden. Fuck. Sieht schlecht aus jetzt - Hier auf der Gesichtschirurgie. Vielleicht erstmal eine Prise NatriumTriOstzillat, schmeckt zwar fad so in den Venen, aber bringt das Herz in Wallung, so wie ein guter Schnaps. "Manche sind klüger danach" raunt mir eine Schwester ins Ohr als sie mich ins Operationsportal (OP) bringt. Bisher merke ich davon nichts, Rechtschreibung mangelhaft wie stets gewesen, ich schau jedes dritte Wort bei Google nach. Eine Hipsterin liegt im Zimmer nebenan, (gut ab hier ist alles eine Lüge) ich schau ihr in ihr eines Auge und kann sie nicht leiden, schade, vielleicht hätte wenigstens das geheilt werden können, dann hätte ich zurück nach Berlin kehren können und dort wäre alles unglaublich toll geworden, so wie ich es mir immer erwünscht hatte. Nicht! Doch!

Ich glaub der Aufschlag hat mich verändert. Ich sehe Thomas Hitze im Fernsehen und finde ihn plötzlich sehr attraktiv. Schöne Geschichte könnte man nun denken, aber ich bin noch aktiv und ich bin Profifußballer dh. daraus kann nichts werden. Ich beschränke meine Karriere wieder auf Twitter, wo ich dank meiner Folgschaft in 500 Fällen sogar 50 eigene Fans habe, eine gute Quote, dafür dass ich niemanden kenne. Außerdem bin ich voll der Journalist ej. Kann sogar meinen Schreibstiel verändern, wenn ich einen anderen Stift nehme. Haha. Aber zurück zum Kern. Das Essen ist hervorragend hier, Brot mit Käse und Wurst, wie bei Mutter vor 200 Jahren. Man ist halt ein Kassenpatient, Klischee wohin das Auge sieht, die Reicheren liegen 50 Stockwerke höher in goldenen Betten. An den Wänden sind Käfige angebracht, in denen junge Frauen oder Männer sich räkeln, je nachdem wie man gestrickt ist. "Jedem das seine" höre ich die floskelige Alte sagen, die hier jeden morgen die Obdachlosenzeitschrift verkauft.

RTL2 ist mittlerweile meine Heimat. "Köln 17489 - vom feuchten Wuppertal bis rauf ans Meer" ist längst meine favorite Sendung geworden, ich stell mir sogar Wecka danach, dass ich pünktlich bin. Hab längst aufgehört, die gutgemeinten Dokus zu kieken, bin jetzt einer vom anderen Ufer, nicht mehr MDR, NDR und Co. sondern hartes Straßenprogramm, voll abstrakter Kunst, die keiner verstehen kann, was sie so interessant macht. Alle zwei Stunden kommt eine aufgetaktelte, grad 18 Jährige, polnische Krankenschwester herein und pumpt mir 200ml Blut aus der Nase ab, das später wiederverwendet wird, wenn ich in meine Profilaufbahn zurückkehre. Heut eine Qual, morgen mein Sprungbrett zum Ball d'or, wo ich einen hübschen Tanz hinlegen werde. Machts gut da draußen. Ich trainiere hier kräftig meine Ellenbogen.

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Über die Schublädierung

Die Stunden verstrichen rasend schnell. Noch waren es zwei bis zum Abgabetermin der Kolumne. Meine Finger fuhren wie wahnsinnige Schatten über die weiße Tastatur meines Apple-Highend-Produkts. Gleichzeitig werkelten hunderte Synapsen an neuen Verbindungen, Verstrickungen, Wirrungen und Irrungen, wie wohl Heinrich Fontane gesagt hätte. Ich war kurz davor den Verstand zu verlieren. Diese kranke Reise, die ich seit vier Stunden angetreten hatte, schien kein Ende zu nehmen. Ich versuchte immer wieder die Perspektive zu wechseln, sah mich dadurch aber in den abscheulichsten Farben und Formen und aus der Sicht anderer musste ich wie die Hässlichkeit in Person aussehen, von innen wie auch von außen. Der Druck, der meine Finger minütlich schwerer werden ließ presste meine Schädeldecke so sehr an die anliegende Hirnhautrinde, dass sie drohte porös, wie die Rinde der alten Linde am Marktplatz abzuplatzen.

Ich hatte alles. Erfolg, Geld, ich sah gut aus und hatte sogar ein paar Freunde, das einzige woran es mir fehlte war das Auge fürs Detail, der Sinn für Humor und die Hand Gottes auf den Tasten des Apfels. Ich schrieb und schrieb, das Geld rann mir links und rechts an den Backen vorbei direkt in mein Konto. Die Kolumne, die Bücher, das alles preisgekrönt, aber ich konnte es nicht mehr riechen. Den Dreck zu lesen hatte ich längst aufgegeben. Ich schrieb es, schickte es ab.

Manchmal, in 5 Minuten, schrieb ich ellenlange Abschnitte, machte dabei kaum Abstriche was Sinn und Verständlichkeit anging, aber mir war das doch alles egal, wenn ich mich bloß noch im Spiegel anschauen könnte. Meine fiebrige Stirn fing an zu jucken, ich kratzte und kratzte, roter, klebriger Apfelmus befleckte meine Finger, der Knochen kam und brach. Immer weiter bohrte ich, suchte den Grund für mein eigen Missgefallen, warum schrieb ich mal wie Goethe, mal wie Schiller und fand mich schlussendlich im Brecht zuhaus? Der Stil, die Ikone, die ich längst geworden war, alles nur ein Schandfleck und mittlerweile routiniert rotierten die großen Denker in ihren ewigen Liegelagerstätten.

Ich war was ich bin, ein Kopieist, modern, charmant, die Adaptierung adoptiert, vom großen Kuchen ich probiert, mein Hirn mit wulstig dicker Lausebubenpaste bis oben hin nur zugeschmiert. Und dann marschiert. In die Redaktionen. Der Guardian, der Spiegel, die Times, und eben all jene, die noch heut von meinen Worten zehren. Die denken, das wär große Kunst, die Lust zur Suche, zwischen den Zeilen das Krasse zu finden, die Leidenschaft, das Freche, ein Wunder, dass ich nicht erbreche, wo mir doch übel ist bei all den Lügen. Talent ist alles was ich besaß, Talent weit überm Mittelmaß. Talent zum Teufel, wenn das nicht alles ist. Schick schikaniert, hier und da Herta Müller flambiert, serviert und in die Schublade geschoben, weit oben, bei Shakespeare und Günter Grass, da flüstert was, da rumpelt‘s im Karton, vielleicht ist es der William, der mit dem gelben Daumen nach dem Goethe greift.

Ich lieg ein Stockwerk höher und kann es nicht genau ergründen. Und während ich so in die Dunkelheit lausche und maschinell schon applaudiere, da tönt von Fern ein Rauschen her, ein dumpfes, hallendes Füßetrampeln, fast wie ein Marsch, als wenn tausend Fäuste auf dünnes Holz sich niederlegen. Da wach ich auf und sitze waagerecht im Hörsaal zwischen den Reihen.

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Lesung| Herr Eule lädt ein

Am 20.November 2013 lade ich zum ersten Mal Greifswalder Poeten zu einer gemeinsamen Lesung ein.

Emma Louise Meyer und Max Golenz gestalten diesen Abend an meiner Seite in unterhaltsamer, möglicherweise interaktiven Gangart mit jeder Menge Lyrik und Prosa, mit Gin und Grog und ein klein wenig Musik.

Um 20 Uhr öffnen wir die Pforten und eine halbe Stunde später geht es los.
Für 3€ seid ihr dabei, kommt hin und sucht nach dem Sinn.

Adresse:
StuThe Greifswald
Franz-Mehring-Straße 48, 17487 Greifswald

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SonntagAbendRadioTalk

Die neue Radioshow: 2 vor 12 - Unterhaltung geht anders
Jeden Sonntag live ab 22 Uhr auf Radio 98eins im Livestream.

Hier noch die Links zu den Radiopodcasts der Vergangenheit
(+ meine persönliche Bewertung auf einer Skala von 1-10)
Themen:
- Weihnachtsmann...(7) Link
- Bar & Leben...(8) Link
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