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Die Leere

Der Jüngling Günter, ein schicker, adrett gekleideter, zumeist gepflegt wirkender Mensch saß an einem Abend in einem Cafe in einer Stadt. Er saß draußen in der Dämmerung, obwohl es recht frisch war, aber drinnen störte ihn der Lärm der Menschen. Am nächsten Tag sollte eine große Präsentation stattfinden, zu der man ihn eingeladen hatte. Günter wusste was man von ihm erwartete und als er so dasaß, da war eine Seelenunruhe in ihm. Nach außen schien alles normal zu sein. Er redete ruhig, bewegte sich gelassen und lächelte sogar das ein oder andere mal, wenn eine wunderhässliche Dame vorbeischritt und ihm schüchtern zuwinkte.

Auf den Punkt gebracht: Er wirkte, als wenn in seinem Griff sich alles befänd.

Die Präsentation allerdings, die wohl soetwas wie ein Anlass zum große Reden schwingen war ließ in innerlich fast zerbersten, denn er zermarterte sich das Gehirn, was er denn vortragen sollt. Viele Reden und Verse hatte er verfasst in seiner Vergangenheit, hatte alles auch feinsäuberlich zurechtgeordnet und in Sack und Tüten bereitgestellt, eben für diesen Moment, an dem seine Kreativität zu wünschen übrig ließ, an dem nur noch ein wilder Haufen von einzelnen unverknüpfbaren Schwachsinnsgedanken vorhanden war. Man erwartete Großes von ihm, der Druck war ungeheuerlich attraktiv und fordernd für seine Arbeit gewesen,
immer,
bis auf diesen Augenblick.

Wenn ein Kopf explodieren konnte, so war der seine kurz davor. Die Straße verschwomm vor seinen Augen, die Lichter tanzten wild umher und als er schon dachte, dass es das Ende seiner ruhmesreichen Reihe von Erfolgen war, da sah er ein großes Wort in sich aufleuchten:
Hoffnung.

Aber was brachte sie ihm, sie konnte ihn nicht retten, weder nun noch morgen, mein Gott, dachte er, mein Gott, lass es enden, ich bin nicht gemacht für diese Situationen, lass mich wieder ein Friseur sein. Bitte.

Die Passanten sahen ihn verwundert an. Er saß vornübergebeugt und brabbelte vor sich hin, wie der Obdachlose zwei Straßen weiter, obwohl er Geld hatte und sich dadurch einen Verstand erkauft hatte, der noch funktionierte. Die Gedanken, die er gerade noch in Sicherheit vor der Außenwelt gewähnt hatte strömten nun auf die Straße und flogen weit, über den Dächern bis nach Italien, wo der Papst sie auffing und so die Welt davon nie etwas mitbekam.

Was fühlte er nun Freiheit, der Dreck war rausgeputzt, gut herausgeputzt, so leer war nun der schwere Kopf, dass es ihm ganz herrlich vorkam dieser Moment. Morgen würde er die Sau rauslassen, vielleicht am Anfang gleich einen richtigen Kracher raushauen, mit dem charmanten Augenzwinkern das er besaß. Nun freute er sich. Günter, der dessen Name fast Geschichte gewesen wäre, war zurückgekehrt. Der Druck war ihm entwichen, ermattet und gleichzeitig vor Kraft strotzend saß er nun da, keck, den Krug Bier stämmig in der Hand und er winkte sich die Adenosintriphosphate aus dem Arm wie ein Weltmeister, soviel Glück bescherte ihm das Ende dieser Lehre.

Bis zu seinem Tod erlebte er diesen Zustand noch weitere 1387 Mal.

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Autritt 11.April

Hurra, hurra, hurra.
Es ist wieder soweit, der Frühling ist da, auf Sommerzeit gestellt, die geile Helligkeit ist zurück.
Also geh ich wieder mal in den King Kong Klub, Berlin, da wo am Puls der Zeit der Frühling und das Leben noch viel besser ist.
Es geht bei der Lesung tatsächlich mal um ein Thema, Geschichten werden erzählt, so in etwa: "wie der Frühling der Lethargie an die Wäsche ging." - hoffe ich zumindest.

Als kleines Spezial werde ich meine neuerworbene Wampe zeigen.
So gegen 22 Uhr.

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Die heldenhafte Geschichte des Bauern Lenhart

Verschwinde dreizehn Minuten in die Welt des Dreißigjährigen Krieges und lass dich auf diesen sonderbaren Gedanken ein, dass die Natur alles wiederverwendet.
Teil Eins:

Teil Zwei:

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Auftritte Winter 12/13

Am 17. Dezember fand eine 80 Minütige Lesung in der Alten Bäckerei Greifswald statt. Bei wenig Licht, aber einem gut gefülltem Schaufensterraum, ergab sich eine kalte Atmosphäre, die den Temperaturen, vielleicht aber auch der Stückauswahl meinerseits zu verdanken war.

Am 31 Januar nun geht es weiter.
Lesung im King Kong Klub, zu der ich manche recht gern einladen möchte. Unter anderem ist die Präsentation eines neuen Musikvideos geplant, die unter Erlaubnis der Technik vielleicht auch stattfinden wird. Außerdem lese ich Texte, die voll purer Verbitterung und Altweibhaftigkeit (wenn es dieses Wort denn gibt) gefüllt sind.

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Die Stulle

Die Stulle lag brach auf der Fläche, ihre Seiten waren trocken, fraglich, ob überhaupt noch Leben in ihr war. Ich biss dennoch ab und es gefiel mir, längst vergangener Geschmack bohrte sich in meinen Gaumen, er war so schwach, dass ich lange schmecken musste, um ihn überhaupt zu erfassen. Erdbeermarmelade und Butter war es wohl gewesen, bevor der Schimmel einschlug. Auch schmeckte ich längst vergorene Körnersorten, die Stulle konnte wohlmöglich Alkohol enthalten. Ich kaute kräftig, der Würgreiz brachte mich mehrere Male aus dem Gleichgewicht, ich lehnte mich vorn über, aber hielt die Zähne fest zusammen.

Eine Metapher könnt es nun sein, oder eine wahre Geschichte aus dem Kühlschrank oder eben nicht aus dem Kühlschrank, vielleicht eine Stulle, die unbeachtet ihre Tage hinter der Heizung gezählt hatte. Eklig würde es wohl in jedem Fall sein, Vergangenheit, Vanitas, Verfall, all diese Motive könnten in der Stulle stecken, aber auch Hoffnung ist da. Oder nicht? Würde man sonst in eine verfaulte Stulle hineinbeißen, würde man verzweifelt den Gärprozess und den Pilzbefall außer Acht lassen nur um den Geschmack zu erahnen, würde man?

Das Alte.
Ich kann mir vorstellen, dass das Alte so sein kann. Abstoßend, aber verlockend durch seine Beständigkeit.
Wir reden hier nicht von einer Ekelhaftigkeit würd ich sagen, vielleicht eher von einer Idee.
Eine alte Idee. Eine überholte Idee, eine, die nicht mehr mithalten kann, mit der Schnelllebigkeit.

Romantik?
Muss Romantik langsam sein?

Eine Idee kann romantisch sein. Ideen sind meistens romantisch, zumindest die, die kaum zu erreichen sind.
Die romantische Fäulnis, eine Art Vortodsphase.

Die Ehe?

Reden wir davon? Ist das die alte Idee, die romantische, die treibt und ziehen soll bis hin zum Tod.
Ist die Ehe die romantische Fäulnis oder eine unromantische Faulheit?

Beständigkeit als Nährboden für Faulheit, Faulheit als der Beginn der Fäulnis, Beständigkeit das Ende der Romantik.
Ist Romantik nicht durch Angst vor Unbeständigkeit geschürt?
Angst vor dem Tod, Angst vor dem Zertrennen.
Fäulnis.

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Die schöne Maid

Süßholzraspelnd ich am Wegrand saß mit hochgesteckter Haarfrisur,
da schritt mit hölzern Schuhwerk eine schöne Maid vorbei,
und ich besann der kindheitlichen Jodelei,
doch empfing verächtlich Blick ich nur.

Gedankenlos, mit wilden Augen, sprach ich in die laue Sommerluft,
Ach kehr zurück du schöne Maid, dreh dich nach mir,
Packst du mich, so folge blind ich dir,
Ich folge deinem Duft.

Ich saß noch so, mich träge leise murmeln hören bis in die Dunkelheit,
doch sah ich auch nach links und rechts, die Maid war nicht gesehen,
im Erheben noch, mit dem Gedanke zu gehen,
vernahm ich plötzlich eine weiblich Stimmlichkeit.

Da sprang mit hohem Schreieston, die Maid aus finsterem Geäst,
sodass mir die Mundwinkel vor Freud ja fast ins Auge fielen,
und plötzlich hört ich wie von fern den Chor der Engel singen,
nun war die Welt ein heitres Fest.

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Über die Eltern

Wir sind von schlechten Eltern. Man kann das eigentlich ganz klar sagen. Diese Generation ist verkorkst und unfähig. Ich seh es doch jeden Tag auf der Straße, sie wissen doch alle noch weniger was sie wollen als früher das unsere Eltern wussten, ich mein das ist doch das, was Eltern nicht auf den Weg geben können. Alle Eltern versuchen es, aber sobald du für einen Moment ein freier Charakter bist wird es schwierig ein Ziel anzuvisieren. Grund zum Feiern haben nur die "Dreher", die sich alles so zurechtdrehen, dass es doch irgendwie passt. Ist das der moderne Mensch? Nach Generationen von Dichtern und Denkern denen tausende Menschen folgten kommen nun die Dreher, die für sich ihre Dinger drehen.

Aber ist doch Unsinn: Heute wird das was nicht passt, nicht mehr passend gemacht, sondern einfach gelassen, die Not besteht nicht, niemand will all die Menschen. Wer träumt denn nicht von der großen Karriere, ist es nicht häßlich, dass es nun für fast jedermann überhaupt möglich ist. Ich stell mir immer vor, dass man früher einfach keine Wahl hatte, da vor den Kriegen, nach dem Krieg, aber auch dann nach der Trennung, sogar hin bis in die 90er. Man tat halt das was man tat oder wo man hinkam, man entschied, presste sich in die entsprechende Form und war irgendwann ein vollfunktionsfähiges Mitglied der Gesellschaft. Man musste sich nie die Frage stellen ob man sich falsch entschieden hatte, einfach weil es keine Wahl gab. Es scheint mir als wenn die neue Freiheit eine alte Feigheit wieder auferstehen lässt, die Feigheit des Faulen, des nicht in die Engegetriebenen, die Faulheit der Wahlmöglichkeitenüberflutung. So könnt man es nennen. Egal wie ich mich entscheide, ich würde annehmen, dass es woanders noch besser ist. Zum Glück und das habe ich mir von Älteren, wenn nicht sogar Alten sagen lassen, ist man irgendwann so erschöpft vom Wegrennen vor der Entscheidung, dass man zerbricht und das macht, was man gerade für das Richtige hält. Aber die Dunkelziffer der vielen Endlosglücklichen, die nicht nur einen Beruf, sondern sogar eine Berufung ausüben ist bestimmt riesig, ich würde annehmen, es sind in Deutschland an die 50 Millionen. In meiner neuen Wahlheimat Greifswald sehe ich grundsätzlich eigentlich nur glückliche Menschen. Ich kann mir kaum vorstellen, das viele hier um ihre Existenz zittern, ich glaube alle werden es schaffen auf ihren Wegen und es macht mich glücklich zu sehen, dass von hier aus fast 90% der Studenten später einen tollen Beruf haben (Bundesstatistikamt) und richtig dicke Kohle verdienen. Wenn ich die vorhergehenden Zeilen nun noch einmal lese und die Verbitterung darin erkenne, dann frage ich mich wohl nicht zu unrecht, ob sich etwas Grundlegenderes ändern muss als nur die Arbeitslosenzahlen, ob wir etwas brauchen, dass uns alle verbindet, etwas wofür es sich als Gemeinschaft zu kämpfen lohnt. Ich habe den beißenden Wunsch diese Welt aufzugeben und eine neue zu beginnen, aber das Leben ist nun kein Spiel und diese Welt besitzt genug starke Mächte, das sie wohl bestehen bleibt. Aber wenn ich etwas verändern könnte, so würde ich es jederzeit tun. Ich wäre lieber Vater einer Revolution, als einer nächsten Generation, die noch mehr Fragen gegenübersteht.

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über die Ungeduld

[-> über den Bart]
Ich werde heute meinen Bart abschneiden, gerade habe ich es entschieden. Wenn ich nun in den folgenden Wochen durch die Gassen gehe, wird man mich kaum beachten, man wird mich sehen, vorbeisehen und wissen, dass ich niemand sein kann. Wie könnte ich ohne Bart. Bartlose sind uninteressant heißt es schon in der Bibel, Bartlose seien sogar dumm meinte 1954 Martin Luther King. Trotz all dieser vorgreifenden Beleidigungen werde ich gleich die Schere bei dem Schleifstein unten beim Schmied anschleifen um bereit zu sein. Der Bart muss weg. Was bringt er mir noch, bis auf ein vermutetes Alter, das ich nie besessen hatte. Ich will wieder jung sein und mir die Finger verbrennen. Der Mann im Spiegel schaut mir irre entgegen. Wo ist der Erfolg fragt sein Blick, er sieht gierig aus, fast ein bisschen zu gierig. Der Bart muss weg, ganz klar, die Leute kommentieren doch die Beiträge trotzdem nicht, auch wenn der Bart lang und weiß wäre.
"Erfolg ist nicht unerheblich bei so einem schwachsinnigen Leben wie du es führst" hatte ein ausgesprochen ehrlicher Bekannter mal zu mir gesagt, "du musst am Ball bleiben Junge, und bereit sein zuzubeißen." Was auch immer diese Hundemetapher aussagen sollte, so hatte er mich doch einen Jungen gerufen, es muss gerade ein Jahr hergewesen sein. Nun war ich voll Bart im Gesicht, Ungeduldig und ohne Erfolg, wie lange noch würde irgendjemand ertragen, dass ich ein Leben führte, das keinen klaren Sinn erkennen ließ. War alles eine Finte, die ich selbst noch nicht erkannt hatte, würde ich bald einen Lotterieschein finden, der mir Millionen sicherte. Wie sollte ich erfolgreich sein, wenn ich so leise war, dass mich niemand entdeckte.
Ich dachte an ähnliche graue Seelen da draußen, wie viele Menschen blieben unentdeckt, die auf irgendwas warteten, wieviele schlitterten durch Zufall in ihr Glück, wie hoch war die Wahrscheinlichkeit, dass ich endlich von ganzem Herzen aufhören konnte ein schlechtes Gewissen zu haben, warum hatte ich ein schlechtes Gewissen, wem war ich etwas schuldig?
Da merkte ich, dass ich allen etwas schuldig war, dass ich die ganze Zeit vor etwas weglief, das nichts anderes sein konnte, als dass ich meine eigenen Ansprüche nicht erfüllte. Ich musste ihnen gerecht werden, schon lange hatte ich gesehen wie weit der weg dahin noch war, aber nun war mir seit langem wieder klar geworden, dass ich anstatt zu schlendern, rennen musste, um irgendwann dort ankommen zu können!

Prost Neujahr

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die zweite chance des alkoholikers

>>hui.<< dachte er, als er die straße herabging. >>fast hätte ich gedacht, ich wäre dumm<<, >>gut, dass meine intelligenz mich davon abhielt.<< warum er das dachte? ich als erzähler kann das schwer wissen, ich kann ja nicht alles wissen. wohl aber sein gefühl, als ein alkoholiker an der kasse des ladens stand. er erkannte ihn an den typischen bieren und dem kurzen kräuterschnaps der im gitterwagen platziert war. >>geh doch arbeiten und komm raus aus deinem loch, du alte sau, raff dich mal auf und tue was<<, er wusste das diese gedanken nicht rechtens waren, was hatte der mann nicht alles erlebt, was ihm so auf dem ersten blick verborgen blieb.

vielleicht waren ihm seine bisherigen drei frauen davongelaufen, vielleicht hatte er ein kind verloren, auch das konnte ich als erzähler nicht wissen, erfinden könnte ich es natürlich, aber das hätte die gedanken und die situation verfälscht. er ging dann nach hause und wusste wenig mit sich anzufangen, er verurteilte, stets mit dem beigedanken zwar, dass es vielleicht nicht rechtens war, aber er tat es ja doch. was wenn er all diese gedanken wahrheit werden ließ? wenn er sich ein bild von diesem mann erbaute, dass er selbst schuf, bei dem er gewisse unbekannte dinge nicht berücksichtigte. war das ein fehler oder war es eine verständliche folgerung, den oberflächlichen beobachtungen geschuldet?

>>dieser mann war ein wurm, ein zitternder, stinkender mensch, dem man ansah, das es ihn nicht mehr scherte, was andere über ihn dachten<<, nun urteilte er so schnell, so hart, die gedanken flossen, fast hätte er es laut herausgebrüllt, der mann stand nun gleich neben ihm. aber er konnte nicht widerstehen sie anzufechten, er wollte diesem mann nicht nur diese eine chance geben. später sah ich die beiden zusammen im cafe sitzen. ich beobachtete, wie sie sogar manchmal lachten, wie der alte wild hin und herschaukelte vor erheiterung. was war hier geschehen?

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x & y – über die kritik am selbstvertrauen

x: hast du schonmal an die möglichkeit gedacht, dass du ein pasabler mensch wärst.
y: selten tue ich das.
x: aber warum? das was du bist ist doch einzigartig, deine fähigkeiten besitzt nur du und solange du freunde hast wirst du doch ein sympathischer typ sein.
y: aber es gibt so viele punkte an mir, die ich hinterfrage, worte die ich sage, gesten die ich gebe, vieles ist mir nicht klar, doch wenn es mir klar ist, dann entdecke ich eine abscheulichkeit daran.
x: du bist dir aber im klaren, dass es dir nicht gelingt einen vollkommen perfekten menschen abzugeben.
y: das weiß ich natürlich, trotzdem möchte ich jeden tag daran arbeiten dahin zu kommen, wo ich mich gerne sehen möchte, mit den menschlichen eigenschaften, die ich an mir vermisse.
x: wie lautet dein kodex oder gibst du spontaner selbstkritiklust sofort nach?
y: selbstkritiklust? du meinst eine art wahn einen fehler an sich zu entdecken?
x: ja.
y: mach ich sehr gerne. die reflektion, die allabendliche ist ein baustein, aus dem mein fundament besteht, ich baue darauf, dass ich mich selbst noch recht gut einschätzen kann, wenn ich es nicht könnt, so wäre ich verloren.
x: verloren in einem kokon der selbstsicherheit? verloren in einem leben ohne zweifel? ist es nicht das, wonach wir beide streben?
y: ich weiß nicht wonach du strebst, mir widerstrebt der gedanke, dass ich eine person sein könnte, über die ich mich selbst aufregen würde. wenn ich ein schwachsinniges gespräch belausche, so versuche ich zu hören, ob da humor drinnen sein kann, wenn es nicht so ist, dann widerstrebt mir das, genau wie die situation, in der ich selbst ein solches gespräch führen könnte.
x: ist das nicht viel zu weit gedacht? macht es dich nicht verrückt, immer wieder von neuem zu fragen?
y: ja, verrückt macht es, zu weit gedacht hab ich oft an langen tagen, doch macht es mir zugleich ein frohes herz, wenn ich denn fortschritte in und an mir sehe, wenn ich sagen kann, ich habe an mir gearbeitet, ich forme mich, so wie in gedanken ich einen guten menschen sehe.
x: der gute mensch ist dir dein ziel?
y: einer von ihnen zu sein, natürlich, wer möchte nicht ein guter mensch sein?
x: ich würde meinen, dass viele es erst gar nicht versuchen.
y: oh doch, das würd ich aber doch schon denken, ich glaube tief da drinnen, da weiß jeder, dass er es zumindest sein könnt, dass er die wahl hat und dass er darum kämpfen muss.

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nicht bei der kastanie


vorhin lief ich nichtsahnend die straße herab, dort wo das laub auf dem boden sich sammelte. ein schwarzer netto befand sich rechts an meinem wegesrand und als ich um die ecke sah, da konnte ich es kaum glauben.
da standen zwei.
sie standen nicht irgendwie, nein,
sie küssten sich.
was war da los?

hatten sie nicht den hauch eines anstands, waren sie aus der unterschicht.
ich sah einen kastanienbaum gar nicht weit, dort hätten sie es tun können,
aber hier, in der zulieferungeinfahrt eines supermarkts, das konnte doch nicht mit rechten dingen zu gehen.
wie konnte man sich als anständiger bürger so benehmen, ja wie konnte man so wenig romantisches einfühlvermögen besitzen? ein netto, die einfahrt, dieses nicht gerade prunkvolle gebäude, das nicht einmal einen historischen hintergrund besaß, wie konnte man diesem ort liebe schenken?

ich ging weiter, versuchte mich zusammen zu reißen, aber in mir pochte die wut.
wie konnte jemand so erbärmlich sein, wie konnte man sich so weit herablassen,
das man mit dem mund im dreck herumwühlte.

nicht einmal die sterne standen am himmel, eine graue wand verbarg sie.
diese beiden hatten nicht einmal kerzen angezündet, sie lehnten an der ungewaschenen scheibe hinter der man die kassen sehen konnte, zumindest hätte man sie sehen können, aber die beiden hatten die augen geschlossen.

ich sah noch eine weile, bei diesem abscheulichen akt der zuneigung zu und ich dachte an viele andere dichter, die dieser situation sicherlich etwas abgewinnen könnten. was war in meiner kindheit falsch gelaufen, das ich oft nur das hässliche sah und das gute, das schöne, in diesem fall ein ausgedehnter kuss kaum beachtung schenkte.
der kuss war doch das was zählte oder nicht, wieso sah ich den discount?

wieso sah ich nicht zwei personen die sich liebten, denen ein ort egal war, da sie ihn überhaupt nicht sehen konnten, so vor liebe herumtaumelten ganz auf ihr eigene kleine welt bedacht, dessen schönheit man nicht absprechen konnte? ich drückte den beiden ganz fest die daumen, denn ich hatte das gefühl, dass sich hier zwei menschen getroffen hatten, denen die wichtigen details am herze lagen.

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wenn des nachts die bauern ruhn

im dunkeln ist gut munkeln,
spricht frötzelig der bauer,
man sieht wie seine augen funkeln,
heut liegt er auf der lauer.

die schöne nachbarsmaid,
die mit den birkenstocksandalen,
und dem hübschen rüschenkleid,
vor der tut er heut prahlen.

zack, da geht sie ihm ins netz,
weil er einem casanova gleicht,
jetzt hat sie sich zu ihm gesetzt,
schon hat er ihr den wein gereicht.

da lungern sie nun am feuer herum,
die flammen versprühen eine wohlige hitze,
die mitternacht ist lange um,
verklungen sind die schüchternen witze.

nun liegt sie nackt, wie gott sie schuf,
er ist das brötchen sie der bäcker,
schon öffnet sie die ofentür,
doch da klingelt der wecker,

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knock out

ich war des gesterns in der spät,
bei einem poetikkonzert,
die meister sprachen da zu mir,
und was ich hört war nicht verkehrt.

ich sah den vieren förmlich an,
dass sie durchause besser waren,
und dennoch beschloss ich sogleich,
nicht an der selbstkritik zu sparen.

ich brach herab, auf schmale knie,
die hände vors gesicht gepresst,
hab dann geweint, wie nie zuvor.
weil mich der ehrgeiz nicht verlässt.

wie soll es enden, ohne ziel,
wer gibt hier die richtung an,
wer spielt hier dieses spiel,
wer treibt mich stets voran?

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